Die Hausgemeinde von Zacharias und Elisabeth

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DIE HAUSGEMEINDE VON ZACHARIAS UND ELISABETH

Lukas 1,1 – 25
Leitvers 1,6

„Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig.“

Danken wir Gott für das Apostelgeschichte-Bibelstudium seines Knechtes und die Zusammenarbeit der Prediger. Wir durften zuletzt durch Apostelgeschichte 16 sehen, wie sich das Evangelium durch den Gehorsam der Apostel gegenüber der Führung Gottes bis nach Europa ausbreitete und durften den Ruf der jungen Menschen hören: “Komm herüber und hilf uns!” Wir durften uns entscheiden, der Führung des Heiligen Geistes durch das Zweierbibelstudium zu gehorchen und das Feuer des Gebets zur Pionierung an jeder Fakultät der Bonner Uni und den Hochschulen Rhein-Sieg und Koblenz brennen zu lassen.

Heute, am ersten Advent, beginnen wir das Studium der Weihnachtsbotschaft. Die frohe Weihnachtsbotschaft beginnt nicht direkt mit der Geburt Jesu, sondern mit der Hausgemeinde von Zacharias und Elisabeth, den Eltern Johannes des Täufers. Sie waren fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig und wurden von Gott als eine brennende Lampe in finsterer Zeit gebraucht. Möge Gott uns helfen, wie Zacharias und Elisabeth zu denen zu gehören, die Gottes Wort studieren und gehorchen und beharrlich mit ihrem Gebetsanliegen beten, sodass Gott uns als brennende Lampe Gottes in einer finsteren Zeit gebraucht und das Herz der jungen Menschen am Campus für die Ankunft Jesu vorbereitet.

1. Sie lebten fromm vor Gott und in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig (1-7)

In den Versen 1 bis 4 leitet Lukas sein Evangelium ein: „Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind, wie uns das überliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Worts gewesen sind. So habe auch ich’s für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, damit du den sicheren Grund der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist.“ Lukas hatte sorgfältig und mit viel Mühe alle Informationen von den Mund- und Augenzeugen zusammengetragen und es dann in wohlgeordneter Form niedergeschrieben. Er tat dies, damit Theophilus den festen Grund der christlichen Lehre erfahren konnte. Mit Theophilus sind auch alle gemeint, die Gott lieben. Sein Bericht hilft ihnen, fest im Glauben zu stehen und die Kraft des Wortes Gottes in ihrem Leben zu erfahren.

Sehen wir uns Vers 5 an: „Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija, mit Namen Zacharias, und seine Frau war aus dem Geschlecht Aaron und hieß Elisabeth.“ Zacharias und Elisabeth waren ein Priesterehepaar zur Zeit des Herodes. Die Zeit des Königs Herodes weist auf eine geistlich finstere Zeit hin. 400 Jahre lang hatte es keine Offenbarung mehr gegeben. Das Volk musste gedacht haben, dass Gott sie verlassen hatte. Herodes war kein geborener Jude, sondern Idumäer. Er regierte unter dem Schutz des Kaisers Augustus und ließ große Bauwerke errichten und wurde „der Große“ genannt. Aber er war lebte nach der Furcht und ließ mehrere seiner Angehörigen umbringen. Doch auch in dieser Zeit brannten die Lampen Gottes. Eine davon war die Hausgemeinde von Zacharias und Elisabeth.

Lesen wir die Verse 6-7: „Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar und beide waren hochbetagt.“ Diese Verse beschreiben das Glaubensleben von Zacharias und Elisabeth.

Erstens: Sie waren alle beide fromm vor Gott.
Lesen wir noch einmal Vers 6: „Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig.“ Zacharias und Elisabeth waren fromm vor Gott. „Fromm vor Gott“ bedeutet, dass sie in einer rechten Beziehung zu Gott lebten. Es meint nicht, dass sie keine Sünder waren. Zacharias und Elisabeth waren auch Sünder wie alle Menschen. Doch sie hatten für ihre Sünden Buße getan und waren damit zu Gott gekommen und hatten Vergebung und das völlig neue Leben in der rechten Beziehung zu ihm empfangen. Mit dem eigenen Bemühen ist es unmöglich, fromm vor Gott zu werden.

Martin Luther bemühte sich nach seinem Eintritt ins Kloster lange Zeit, fromm vor Gott zu sein. Je mehr er sich aber bemühte, desto mehr erkannte er, dass er ein Sünder war. Jahrelang rang er mit dieser Frage: Wie kann ein Sünder fromm vor Gott werden? Schließlich aber nahm er durch Römer 1,17 das rettende Evangelium auf: „Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Er nahm an, dass die Gerechtigkeit ein Geschenk Gottes ist, und dass der Sünder nur glauben muss. Das Leben in der Beziehung zu ihm ist Gottes Geschenk aus seiner Gnade.

Zacharias und Elisabeth gehörten zu denen, die durch die Buße für ihre Sünde und den Glauben an das Opfer Christi den neuen und lebendigen Weg in das Heiligtum gegangen waren und nun in der rechten Beziehung zu Gott standen. Weil sie diese Gnade angenommen hatten, genossen sie nun die Gemeinschaft mit ihm und waren glücklich in ihm. Das Geheimnis des Glaubens ist, dass wir Sünder sind, dass wir aber durch den Glauben an Jesus Christus fromm vor Gott sein dürfen und in die selige, ewige Gemeinschaft mit ihm eintreten.

Zweitens: Sie lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig.
Ihre Frömmigkeit blieb nicht ohne Folgen. Eine Folge war, dass sie Gottes Wort gehorchten. Vers 6 spricht hier von „allen Geboten und Satzungen des Herrn“. Wie kann ein Mensch allen Geboten und Satzungen des Herrn gehorchen? Es scheint unmöglich zu sein. Manche sagen darum, dass man sich zumindest bemühen könne, die zehn Gebote einzuhalten, indem man nicht stiehlt und nicht mordet. Doch das ist nicht gemeint, oder man müsste die zehn Gebote relativieren. Gemeint sind tatsächlich alle Gebote und Satzungen des Herrn. Das Geheimnis besteht hier darin, dass Zacharias und Elisabeth, als sie einem Wort Gottes durch den Glauben gehorchten, allen Geboten und Satzungen des Herrn gehorchten.

Zacharias und Elisabeth kannten sicher das ganze Gesetz. Doch entscheidend war, dass sie ein Wort Gottes hatten, dem sie durch den Glauben gehorchten. Der Glaubensgehorsam gegenüber einem Wort Gottes bedeutet, dass sie Gott lieben und ihren Nächsten lieben konnten und damit das ganze Gesetz erfüllten, sodass es von ihnen heißt, dass sie untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn lebten. Galater 5,14 sagt, dass das ganze Gesetz in einem Wort erfüllt ist.

Hier lernen wir, wie wir in einer finsteren Zeit untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn leben können: indem wir Gottes Wort studieren und einem Wort Gottes durch den Glauben gehorchen. Hirte Johannes studierte mit der Hilfe seines Vaters Gottes Wort aus Matthäus 6,33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ Durch die Dienerschaft und Gebete der Glaubens-vorgänger begann er, diesem Wort Gottes zu gehorchen: indem er die Priorität auf die Zusammenarbeit im Werk Gottes setzte, Verantwortung für die Arbeit mit Senfkorn, Teenstreet und Lausanne Movement trug und das Gebetsgefäß für die medizinische Fakultät begann. Er lernt, dass ein untadeliges Leben in allen Geboten darin besteht, einem Wort Gottes zu gehorchen. Gott kann eine gott- und missionszentrierte Hausgemeinde, die Gottes Wort studiert und ihm gehorcht, als brennende Lampe Gottes in dieser finsteren Zeit gebrauchen.

Wie sah das Leben Zacharias‘ und Elisabeths praktisch aus? Ihr Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes bestand darin, dass sie ihren Priesterdienst verantwortlich und mit dem Hirtenherzen versahen. Sie gaben ihren Zehn-ten in voller Höhe. Sie heiligten den Sabbat. Sie legten täglich Fürbitte ein und lehrten das Volk das Wort Gottes.

Ihr Glaubensleben war dabei nicht ohne Kampf. Sie mussten die Finsternis jener Zeit überwinden, indem sie Gottes Wort täglich studierten und daran festhielten, obwohl es in jener Zeit selten und verachtet und fast vergessen war. Sie mussten auch das ernsthafte Lebensproblem der Kinderlosigkeit überwinden. Kinderlosigkeit galt damals als Fluch Gottes, besonders für ein Priesterehepaar. Doch sie ließen ihre Frömmigkeit nicht von diesem Problem beeinflussen. Sie legten dieses Anliegen in die Hände Gottes und gehorchten dem Wort Gottes bis ins hohe Alter. Auf diese Weise wurden sie eine brennende Lampe Gottes in einer finsteren Zeit.

Wir leben auch in einer geistlich finsteren Zeit, in der Gottes Wort relativiert worden ist und der gottlose Humanismus das Denken, die Lehren und das Handeln der Menschen bis hin in den Kindergarten und bis hin in die christlichen Gemeinden beherrscht. Obwohl wir seit hunderten von Jahren die Bibel haben, wird sie weder gelehrt noch gelesen, geschweige denn wird ihr gehorcht. Viele Gemeinden hatten sich bemüht, eine Erneuerung herbeizuführen, aber irgendwann haben sie – konfrontiert mit der geistlichen Realität – aufgegeben. Doch auch in dieser Zeit gibt es Lampen Gottes, nämlich Hausgemeinden, die Gottes Wort studieren und einem Wort Gottes gehorchen. Durch die Gnade Gottes haben wir das neue Leben und sein Wort aus Hesekiel 37,10 als Leitwort empfangen, sowohl persönlich als Hausgemeinde und für die Campusmission: „Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte. Da kam der Odem in sie und sie wurden wieder lebendig und stellten sich auf ihre Füße, ein überaus großes Heer.“ Diesem Wort zu gehorchen, widerspricht dem Zeitgeist des Humanismus, aber es ist der Schlüssel zur Wiedererweckung und geistliche Erneuerung in Europa. Gehorsam drückt sich darin aus, dass wir von der persönlichen und äußeren Lage unabhängig das Gebetsgefäß bilden und das Zweierbibelstudium führen und dadurch den Totengebeinen das Evangelium predigen. In dieser Zeit sind viele Gläubige zu reinen Konsumenten geworden, die sonntags eine Botschaft hören, während sie ansonsten nach ihrem eigenen Willen leben. Auf diese Weise sind viele Lampen erloschen. Wir sollen dem Wort Gottes durch den Glauben täglich und bis ins hohe Alter gehorchen. Das Wort Gottes lädt uns ein, nicht passiv zu bleiben, sondern täglich durch das Bibelstudium zu den verdorrten Totengebeinen an den Hochschulen zu predigen und die verändernde und Leben gebende Macht Gottes zu erfahren, wie der Odem in die jungen Menschen kommt und sie als ein überaus großes Heer Gottes aufstellt. Möge Gott jedem von uns helfen, eine Bibel studierende, Gottes Wort gehorchende Hausgemeinde zu bilden und durch das Frühgebet, das Zweierbibelstudium und das Josia-Bibelseminar zum Zweierbibelstudium eine Lampe Gottes an jeder Fakultät der Bonner Uni und den Hochschulen Rhein-Sieg und Koblenz zu sein.

2. Zacharias‘ beharrliches Gebet (8-25)

Betrachten wir die Verse 8 und 9. Nach dem Brauch der Priesterschaft traf Zacharias das Los, das Räucheropfer darzubringen im Tempel. Das war ein besondere Tag für ihn. Er reinigte sich und ging in das Heiligtum. Dort standen links der goldene Leuchter, rechts der Tisch mit den Schaubroten und in der Mitte der Räucheraltar. Als Zacharias nun das Räucherwerk auf dem Altar verbrannte, während das Volk draußen betete, war er plötzlich nicht mehr allein: Der Engel des Herrn erschien und stand an der rechten Seite des Räucheraltars. Zacharias erkannte, dass dies ein Engel Gottes war und erschrak. Lesen wir Vers 13: „Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben.“ Der Engel hatte eine frohe Botschaft für Zacharias: „Dein Gebet ist erhört und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären.“ Hier wird deutlich, dass Zacharias beharrlich für einen Sohn gebetet hatte. Auch als seine Frau schon alt und grau geworden war, hatte er an diesem Gebets-anliegen festgehalten. Bei jeder Gelegenheit war er mit diesem Anliegen zu Gott gekommen.

Gott freut sich über das beharrliche Gebet seiner Leute. Gott wirkt durch Menschen des beharrlichen Gebets. Hanna war eine solche Frau des beharrlichen Gebets. Als der Herr ihren Leib verschlossen hatten und sie deswegen viel von ihrer Widersacherin erleiden musste, betete sie lange mit vielen Tränen: „Herr Zebaoth, wirst du das Elend deiner Magd ansehen und an mich gedenken und deiner Magd nicht vergessen und wirst du deiner Magd einen Sohn geben, so will ich ihn dem Herrn geben sein Leben lang, und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen.“ Gott erhörte dieses beharrliche Gebet und öffnete ihren Leib und sie gebar einen Sohn, Samuel, den Propheten, der das Volk Israel am Ende der Richterzeit wieder zum Herrn bekehrte.
In den 80er Jahren lag Russland hinter dem eisernen Vorhang. Doch Dr. Lee gab aus dem Hirtenherzen das Gebetsanliegen aus, für die Aussendung von Missionaren innerhalb von zehn Jahren zu beten. Die Mitarbeiter beteten beharrlich mit diesem Anliegen, bei jedem Gottesdienst, jeder Versammlung und jeder Konferenz. Als Ausdruck ihres Gebets aßen sie russisches Brot, tanzten russische Tänze und sangen russische Lieder. Bereits nach fünf Jahren fiel der eiserne Vorhang und wir durften erfahren, wie Missionare nach Russland und in andere Länder Osteuropas ausgesandt wurden.

Viele unter uns, vor allem auch die Kinder, beten beharrlich für die Aufstellung von 10.000 Bibellehrern und fünf Millionen Gebets-mitarbeitern für die Wiedererweckung und geistliche Erneuerung in Europa. Dieses beharrliche Gebet bleibt nicht ungehört. Auf verschiedene Weise konnten wir sehen, wie Gott Gebetsmitarbeiter aufstellt. Prof. Beyerhaus wurde ein Gebetsmitarbeiter, durch den viele Leiter der Kirche in Korea zum geistlichen Kampf gegen den Genderismus mobilisiert wurden. Sie haben jetzt ein Herz und Vision für Europa und möchten gerne das Reformationsjubiläum 2017 unterstützen und dafür zusammen wirken. Letzte Woche besuchten uns zwei verantwortliche Leiter der koreanischen Gemeinden in Europa und ermutigten uns durch ihren Eifer für das Bibelstudium, die Jüngererziehung und die Verkündigung des Evangeliums; gleichzeitig wurden sie selbst ermutigt, mit dem Anliegen der Wiedererweckung Europas zu Gott zu kommen. Gott erhörte das beharrliche Gebet und stellte Hirten Peter Ryu, Noah, Matthäus, David und das Gideonteam als Bibellehrer auf. Egal, wie unrealistisch das Gebetsanliegen zunächst erscheinen mag, entscheidend ist das beharrliche Gebet.

Eine Frau des Glaubens betet seit über dreißig Jahre beharrlich mit dem Gebetsanliegen, dass Gott an jeder Fakultät der Bonner Universität zwölf Glaubensmütter aufstellt. Wie könnte Gott ihr beharrliches Gebet nicht erhören? Wie könnte er das Gebet von Aster und Joyce nicht erhören? Gottes Wort sagt: „Dein Gebet ist erhört.“ Mit welchem Gebetsanliegen betest Du? Wir dürfen auf keinem Fall aufhören zu beten, sondern sollen weiterbeten und zwar beharrlich.

Worin lag nun die Gebetserhörung für Zacharias? Er würde einen Sohn bekommen und Freude und Wonne haben, und viele würden sich über seine Geburt freuen. Gott offenbarte ihm den Willen Gottes für dieses Kind (15-17): „Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist.“ Gott sandte Johannes den Täufer als den Vorläufer des Messias, wie er es in Maleachi 3,23 verheißen hatte: „Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern.“

Wie reagierte Zacharias auf diese Botschaft? Lesen wir Vers 18: „Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und meine Frau ist betagt.“ Zacharias wusste, dass dies der Engel des Herrn war. Er wusste auch, dass ihm der Engel Gottes Wort weitergab. Dazu hatte er selbst dafür gebetet. Dennoch zog er die Worte des Engels in Zweifel. Das Alter seiner Frau, ihre Unfruchtbarkeit, sein eigenes Alter, hatten den fixen Gedanken in ihn eingebrannt, dass es unmöglich war. Darum konnte er nicht glauben, auch als der Engel es ihm sagte. Sein Unglaube war keine kleine Sache. Diese fixierte Denkweise musste zerbrochen werden. Dement-sprechend deutlich tadelte ihn der Engel und ließ ihn verstummen (19.20): „Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen. Und siehe, du wirst stumm werden und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit.“ Zacharias musste verstummen und bekam neun Monate Zeit, über das Wirken und den Willen Gottes nach-zudenken. Wenn wir seinen Lobgesang in den Versen 67 bis 80 lesen, erkennen wir, dass er diese Zeit zur Buße nutzte. Er verstand, welche Rolle sein Sohn in der Heilsgeschichte Gottes einnahm und wer der Herr war, dem er den Weg bereiten sollte. Er pries Gott, der sein Volk besucht und erlöst hat und in Jesus eine Macht des Heils aufgerichtet hat. Wegen dieser Gnade entschied er sich, seinen Sohn entsprechend zu erziehen. Wenn wir Johannes‘ Leben als ein Bußprediger in der Wüste sehen, muss diese Erziehung sehr hart gewesen sein, doch sie geschah nach dem Willen Gottes und wurde von Gott reichlich gesegnet.

Wenn Gott unser Gebet erhört, geschieht das gemäß dem Plan und dem Willen Gottes. Als Gott unser Gebet am Juridicum erhörte und auf wundersame Weise Gebetsmitarbeiter und Bibellehrer aufstellte, tat er dies darum, um das Juridicum als Bethaus für alle Völker zu gebrauchen. Wir dürfen diesen Willen Gottes erkennen und dafür arbeiten, die jungen Menschen als Jünger Jesu zu erziehen.

Lesen wir noch die Verse 24 und 25: „Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich fünf Monate verborgen und sprach: So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen.“ Elisabeth bezeugte das Wirken Gottes in ihrem Leben: „So hat der Herr an mir getan.“ Sie bezeugte, wie Gott den Glaubensgehorsam gegenüber seinem Wort und das beharrliche Gebet gesegnet und alle Schmach von ihr genommen und wie sehr er ihre Hausgemeinde gesegnet hatte.

Heute haben wir gelernt, dass Gott in einer finsteren Zeit brennende Lampen Gottes aufstellt, die seinem Wort gehorchen und beharrlich beten. Möge Gott jeden von uns als eine solche Bibel studierende und betende Hausgemeinde gebrauchen, 10.000 Bibellehrer und fünf Millionen Gebetsmitarbeiter aufstellen und Deutschland als Hirtennation und Europa als Missionare aussendenden Kontinent wiederherstellen.

Die zweite Missionsreise des Paulus (Der Ruf nach Mazedonien)

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DIE ZWEITE MISSIONSREISE DES PAULUS
(DER RUF NACH MAZEDONIEN)

Apostelgeschichte 15,36 – 16,40
Leitvers 16,9

„Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“

Wir danken dem Herrn dass er unsere Global-Leaders-Conference und das Josia-Bibel-seminar reichlich gesegnet hat. Wir durften eine Lebensentscheidung treffen, unser Herz ganz auf das Wort Gottes zu richten und als Zweierbibellehrer von Gott gebraucht zu werden. Europa braucht Bibellehrer. Lasst uns beten, dass durch unser Zweierbibelstudium 10.000 Bibellehrer aufgestellt werden und die geistliche Erweckung in Europa geschehen kann.

In unserer heutigen Lektion geht es um den Beginn der zweiten Missionsreise von Apostel Paulus. Nachdem sich Barnabas getrennt hatte, musste er ein neues Missionsreiseteam bilden mit Silas, Timotheus und Lukas. Gott segnete ihre Zusammenarbeit und Gehorsam gegenüber der Führung Gottes, sodass sie zum ersten Mal das europäische Festland pionieren konnten. Es war der Beginn der Evangelisation in Europa. Wir lernen heute, dass Gott einen großen Plan für die Weltmission hat und dass er selber seine Knechte führt, um denen, die ohne Jesus verloren gehen, das seligmachende Evangelium zu verkündigen. Lasst uns Gottes Führung von ganzen Herzen gehorchen und seinen Ruf für die Welt Campus Mission hören. Lasst uns auch den großen Wert des Zweierbibelstudiums erkennen, sodass Gott durch uns historische Personen wie Lydia für diese Generation aufstellen kann.

1. Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns (15,36 – 16,10)

Sehen wir uns Kapitel 15,36 an: „Nach einigen Tagen sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns wieder aufbrechen und nach unseren Brüdern sehen in allen Städten, in denen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, wie es um sie steht.“ Paulus und Barnabas wollten aus dem brennenden Hirtenherzen ihre zweite Missionsreise unternehmen und dabei alle ihre Hoffnungsträger besuchen. Doch dann kam es zu einem unerwarteten Streit zwischen ihnen. Barnabas wollte Johannes Markus unbedingt wieder mitnehmen, obwohl dieser sie beim letzten Mal im Stich gelassen hatte, als er angesichts kommender Bedrängnisse nach Jerusalem zurückgefahren war. Dieser Streit zwischen Paulus und Barnabas um die Zusammensetzung des Missionsreiseteams wurde so heftig, dass sie sich trennen mussten. Nun bildeten sie zwei verschiedene Missionsteams. Barnabas fuhr zusammen mit Markus nach Zypern. Anderseits wählte Paulus den Silas als Mitarbeiter aus und zog mit ihm zusammen auf der nördlichen Route über Kleinasien.

Die Bibel sagt uns an dieser Stelle nicht, ob einer von ihnen im Recht und der andere im Unrecht war. Aber im Licht der Geschichte Gottes können wir sagen, dass Gott Paulus gebraucht hat, das Christentum weiter auszubreiten und das Evangelium sogar bis nach Rom zu bringen. Im Gegensatz dazu kommt der Name von Barnabas von diesem Zeitpunkt an in der Apostelgeschichte nicht mehr vor. Gott wirkte auch weiter mit Barnabas, aber er war nicht mehr im Hauptstrom der Geschichte Gottes. Paulus und Silas wurden von der Gemeinde gesegnet und ausgesandt. Wir brauchen diejenigen nicht zu verurteilen, die auf eigene Weise Gottes Werk tun wollen. Aber wir dürfen wissen, dass Gott mit denen ist, die seiner Führung folgen. Paulus folge der Führung Gottes und gewann Silas als einen Mitarbeiter für die Weltmission. Später nahm er auch Timotheus in sein Team auf. Gott konnte durch dieses neue Gefäß der Zusammenarbeit mächtig wirken, nämlich einen ganz neuen Kontinent erobern und den Grundstein zur Evangelisation Europas legen.

Paulus und Silas zogen zuerst durch Syrien und Zilizien. Dann besuchten sie die Städte Lystra und Derbe. Früher hatten sie dort viel Verfolgung erfahren, aber sie gingen wieder dorthin, um die Jünger zu ermutigen und zu stärken. Dort trafen sie Timotheus. Er war der Sohn einer gläubigen jüdischen Mutter namens Eunike und eines griechischen Vaters. Diesen jungen Mann, der wahrscheinlich bei der ersten Missionsreise von Paulus zum Glauben gekommen war, dessen Herz für Jesus brannte und der überall einen guten Ruf genoss, nahm Paulus in sein Team auf. Timotheus wurde zu einem seiner treuesten Mitarbeiter, von dem er später bezeugte, dass er ganz seines Sinnes war. Vers 3 berichtet davon, dass Paulus Timotheus beschneiden ließ wegen der Juden, die in dieser Gegend wohnten. Rückte Paulus hier etwa von seinen Grundsätzen ab, die er gerade noch bei der Jerusalemer Apostelversammlung erfolgreich verteidigt hatte? Nein. Timotheus war wegen seiner jüdischen Mutter rechtlich gesehen ein Jude, daher sollte er beschnitten werden, sonst konnten die anderen Juden ihn nicht akzeptieren und es wäre ein großes Hindernis für die Missionsarbeit geworden. So beugte sich Timotheus unter das alttestamentliche Gesetz, um diejenigen, die unter dem Gesetz waren, zu retten. Durch diese Begebenheit lernte Timo-theus den demütigen Gehorsam des Glaubens. Ohne demütigen Gehorsam kann niemand zu einem großen Knecht Gottes wachsen. Paulus übergab die Beschlüsse der Apostelversammlung den jungen Gemeinden in Galatien und sie wurden dadurch gefestigt und leisteten erfolgreiche Missionsarbeit.

Sehen wir uns die Verse 6 bis 8 an. Paulus und Silas wollten zunächst die Provinz Asien, den westlichsten Teil Kleinasiens, besuchen. Doch der Heilige Geist verwehrte es ihnen, dort zu predigen. Als sie sich nach Norden wandten, um nach Bithynien am Schwarzen Meer zu reisen, ließ es ihnen erneut der Geist Jesu nicht zu. Paulus und Silas mussten sich gewundert haben, warum ihre gute Missionsstrategie immer wieder durchkreuzt wurde und sie schließlich in der Hafenstadt Troas ankamen. Was war los? Konnte es sein, dass Gott ihre Missionsarbeit behinderte? Doch dann hatte Paulus in der Nacht eine Erscheinung. Lesen wir den Vers 9 gemeinsam: „Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“ Nun erkannte Paulus, was diese merkwürdige Führung Gottes bedeutete. Vers 10 sagt: „Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Mazedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.“

Hier lernen wir Paulus‘ einfachen und absoluten Gehorsam gegenüber dem Plan und der Führung Gottes kennen. Paulus folgte der Führung des Heiligen Geistes und er war immer bereit, ihr zu gehorchen, auch wenn seine eigenen Pläne ganz anders waren. Als er diese Erscheinung hatte, nahm er bereitwillig Gottes Hirtenherz für die Menschen in Mazedonien und darüber hinaus in ganz Europa auf, die ihn um Hilfe baten, und entschied sich, dorthin zu reisen und ihnen das Evangelium zu verkündigen. Gott selbst führte Paulus dazu, die Europamission zu beginnen. Als er Gottes Führung gehorchte, gebrauchte Gott ihn für einen historischen Schritt in dem Weltmissionswerk Jesu.

Gottes Berufung für uns ist die Welt Campus Mission. Mutter Sarah Barry kam gemäß der Führung Gottes im Alter von 25 Jahren nach Korea. Dort traf sie Dr. Samuel Lee, der ein brennendes Hirtenherz für die Studenten hatte. Es gab damals viele Kirchen, aber niemanden, der sich um die Anliegen der Studenten kümmerte. Als sie den Hilfeschrei der Studenten hörten, führte Gott sie, eine Bibelstudiumsgruppe für die Studenten einzurichten, woraus später das Werk von UBF entstand. Dadurch wurden viele Jünger Jesu aufgestellt, die ebenfalls Gottes Berufung für die Welt Campus Mission aufnahmen, sodass UBF in mehr als 90 Länder verbreitet wurde.

Ein Studienanfänger war äußerlich ambitioniert und hoffnungsvoll, aber innerlich wegen der Selbstsucht und Kaltherzigkeit sehr hoffnungslos. Gott führte ihn gemäß seinem Ratschluss nach Bonn und zum Zweierbibelstudium. Er durfte Gottes Liebe und Heilung erfahren und die Lebensgemeinschaft mit Gottes Leuten beginnen. Als er Gottes Liebe und Gnade erfuhr, öffnete Gott auch seine Ohren, den Hilferuf der Studenten zu hören, die unter der Macht der Sünde leiden. So führte Gott ihn, zu einem Hirten für die Campusmission zu wachsen.

Studenten sind die zukünftigen Leiter. Aber Stu-denten sind nicht unbedingt einfache Bibelschüler. Doch wenn sie Jesus annehmen, dann kann Gott sie als Leiter kostbar gebrauchen. Ein Student lebte verzweifelt in seinem Dachzimmer und träumte davon, ein großer Mensch zu sein. Doch in der Tat war er in seinem Studium fast gescheitert und von der Macht der Sünde gefangen. Als er aber durch das Zweierbibelstudium Jesus annahm, konnte er ein neues Leben im Licht beginnen und nun gebraucht Gott seine Hausgemeinde, um die Studenten am Juridicum zum Gebetshaus für die Weltmission zu machen. Ein anderer Student war wegen der gottlosen Denkweise sehr verzweifelt, sodass er nur noch in der Nacht wach war und im Internet lebte. Aber Gottes Wort Johannes 14,6 wirkte in seinem Herzen und nun fährt er sogar jede Woche nach Koblenz, um einer Seele mit dem Wort Gottes zu dienen.

Viele Studenten sehen äußerlich fähig, kräftig und klug aus. Aber in ihrem tiefen Inneren haben auch sie Wunden wegen der Sünde, die niemand heilen kann. Ohne Jesus wandeln sie in der Finsternis. Selbst wenn sie äußerlich Leistung und Erfolg bringen können, bleibt ihre Seele leer. Könnt ihr den Hilferuf der Studenten hören: „Komm herüber zum Campus und hilf uns“? Lasst uns der Führung des Heiligen Geistes folgen und den Studenten durch das Zweierbibelstudium dienen. Lasst uns ein neues Gefäß der Zusammenarbeit bilden, durch das Gott seinen Willen für die Welt Campus Mission erfüllen kann.

2. Das Erschließungswerk in Philippi (16,11-40)

Paulus‘ Team fuhr von Troas per Schiff an der Küste Mazedoniens entlang bis sie zur Stadt Philippi kamen. Diese Stadt war eine römische Kolonie. Es war heidnisches Gebiet, wo es nicht einmal eine jüdische Synagoge gab. Daher konnte Paulus nicht wie gewohnt zur Synagoge gehen, um zu predigen. Stattdessen suchten Paulus und Silas vor der Stadt einen Ort, den man als Gebetsort nutzen konnte. Dort trafen sie eine kleine Gruppe Frauen. Paulus könnte sehr enttäuscht gewesen sein, weil er doch einen Mann aus Mazedonien gesehen hatte. Obwohl Frauen in der damaligen Zeit nicht so viel galten, achtete Paulus sie nicht gering. Paulus redete mit ihnen und begann mit ihnen ein Bibelstudium.

Unter diesen Frauen war Lydia. Sie war eine tüchtige Geschäftsfrau, die mit dem Luxusartikel Purpur handelte. Sie musste reich gewesen sein, aber in ihrem Herzen suchte sie Gott. Diese Frau hörte Paulus ganz genau zu und Gott wirkte durch sein Wort in ihrem Herzen. Lesen wir Vers 14 gemeinsam: „Und eine gottesfüchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde.“ Der Herr tat Lydia das Herz auf und sie hörte genau zu. Sie kam zum Glauben an Jesus und ließ sich mit ihrem gesamten Haus taufen. Sie wurde aber nicht nur die erste Glaubensfrucht auf dem europäischen Festland, sie wurde darüber hinaus zu einer guten Mitarbeiterin. Sie öffnete ihr Haus für die Gemeinde Jesu, sodass sie sich dort versammeln konnten. Sie nötigte Paulus, in ihrem Haus zu bleiben. Dies war der Anfang der Mission in Philippi und in ganz Europa. Menschlich gesehen sah dieses Bibelstudium mit einer Frau, Lydia, zu gering und unbedeutend aus. Aber Gott machte es zu einer historischen Begebenheit.

Diese Begebenheit lehrt uns, dass wir das Krippenwerk nicht verachten sollen. Unser Zweierbibelstudium mit einem Hoffnungsträger oder ein Einladungswerk am Campus oder im Wohnheim sieht oft sehr gering aus. Oftmals sehen wir keine unmittelbare Veränderung. Aber wir sollen wissen, dass jedes Zweierbibelstudium eine wichtige Begebenheit in der Geschichte Gottes ist, weil Gott dadurch eine historische Person wie Lydia aufstellen kann. Gott wirkt durch sein Wort und beginnt dadurch sein Rettungswerk im Leben eines Menschen, sogar einer ganzen Fakultät, einer Uni oder eines ganzen Landes.

Gott hat das Zweierbibelstudium einer Missionarin mit einer Frau aus Eritrea reichlich gesegnet. Gottes Wort wirkte in ihrem Herzen, sodass sie die Liebesbeziehung zu Gott tief anknüpfen durfte. Gott stellte sie auch mit Esra 7,10 als Bibellehrerin für ihr Land auf und hat bereits angefangen in ihrer Familie mächtig zu wirken. Gott wirkte durch das Zweierbibelstudium in Joice und hat sie als eine Bibellehrerin und Glaubensmutter für ihr Volk und für die jungen Menschen in Europa aufgestellt. Das Zweierbibelstudium von Mersina ist auch sehr bedeutsam, sodass sie zur Zeit angefangen hat, unserer neuen Generation zu dienen und als eine Bibellehrerin für die Menschen in Europa heranwächst.

Eine Person ist in Gottes Augen sehr wichtig. Ein Zweierbibelstudium von HIrten Jochen in St. Augustin ist keine kleine Angelegenheit, sondern eine historische Begebenheit, durch die die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg erobert wird und darüber hinaus 1.700 Hochschulen. Ein Zweierbibelstudium von Hirten Christoph in Koblenz ist eine historische Begebenheit für die Rettung einer Seele und für die ganze Hochschule. Gott will uns als Pioniere gebrauchen, indem wir durch den Glauben dem Krippenwerk dienen und einen Menschen durch das Zweierbibelstudium als einen Jünger Jesu aufstellen.

Sehen wir uns die Verse 16 bis 22 an. In Philippi heilte Paulus eine Magd, die von einem Wahrsagegeist besessen war. Diese Frau, die sich als Wahrsagerin erfolgreich betätigt hatte, rannte immerzu hinter den Missionaren her und rief, dass diese Knechte Gottes seien, die den Weg des Heils verkündigen. Auch wenn sie die Wahrheit sagte, verhielt sie sich sehr aufdringlich und hinderte das Werk Gottes. Die Aufmerksamkeit der Menschen wurde nicht auf Jesus, sondern auf die Person der Apostel gelenkt. Paulus befahl darum dem Wahrsagegeist von ihr auszufahren. Für das arme Sklavenmädchen war es ein Moment der Befreiung. Aber ihre Herren betrachteten es als ein großes Unglück, weil sie nun kein Geld mehr mit ihrer Magd verdienen konnten. Sie dachten nur an ihr entgangenes Geschäft und aus ihrem Ärger begannen sie, Paulus und Silas zu verleumden. Sie brachten die ganze Stadt gegen sie auf mit der Behauptung, dass sie anti-römische Ordnungen verbreiten würden. Die Apostel wurden daraufhin verhaftet und vor die Stadtrichter geführt. Sie wurden öffentlich mit Stöcken geschlagen und danach in das innerste Gefängnis geworfen, wo man sie in den Block legte. Wo Gott wirkt, da gibt es auch immer Bedrängnisse, weil der Satan sehr neidisch ist. Wir müssen wissen, dass Bedrängnisse ein ganz normaler Bestandteil des Werkes Gottes sind.

Was taten Paulus und Silas in der Zeit der Bedrängnis? Sehen wir uns Vers 25 an: „Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie.“ Trotz dieser ungesetzlichen Behandlung, trotz der blauen Flecken und Striemen und der Schmerzen, die sie erfuhren, lobten und dankten die beiden Apostel dem Herrn mitten in der Nacht. Sie waren nicht von ihrer Lage und Situation abhängig, sondern dankten Gott für sein Wirken. Sie priesen Gott, der sie nach Philippi geführt hatte. Sie priesen Gott, der Lydia zum Glauben geführt und eine Magd von ihrem bösen Geist befreit hatte. Als sie nicht auf sich selbst, sondern auf Gott schauten, konnten sie Gott allezeit loben und sich in ihm freuen, wie Philipper 4,4 sagt: „Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ Gott freute sich sehr über ihren Lobgesang.

Manchmal sind wir schon wegen kleiner Dinge, wie schlechte Noten oder einem Misserfolg undankbar und mürrisch. Paulus und Silas waren geschlagen worden und saßen im Block, aber sie konnten Gott auch in dieser Lage loben und preisen. 1.Thessalonicher 5,16-18 sagt: „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ Solch ein lobendes und dankendes Leben war ein mächtiges Zeugnis Gottes. Lasst uns das Feuer des Gebets an jeder Fakultät anzünden, indem wir unabhängig von den Bedingungen für die Studenten beten. Wir dürfen auch den Lobpreis am Anfang jedes Gottesdienstes zusammen mit unseren Hoffnungsträgern zu Gott bringen und so alle unsere Lasten ablegen. Lasst uns auch durch den Glauben alle Bedrängnisse unseres Missionslebens überwinden und Gott allezeit einen Lobgesang singen.

Als die Apostel Gott von ganzem Herzen lobten, geschah ein großes Erdbeben, sodass alle Sicherheitssysteme des Gefängnisses ausfielen. Paulus hätte denken können, dass es Gottes Hilfe war und er die Chance zur Flucht nutzen sollte. Aber er blieb im Gefängnis. Er rettete sich nicht selber, stattdessen rettete er dem Aufseher das Leben. Dieser wollte sich schon selber umbringen, weil er für die entflohenen Gefangenen zur Rechenschaft gezogen würde. Als er erfuhr, dass alle Gefangenen noch da waren, fiel er Paulus und Silas zu Füßen. In seiner tiefen Seelennot fragte er sie: „Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ Paulus erklärte ihm den Weg der Errettung: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig.“ Mit großer Freude nahm der Gefängnisaufseher das Evangelium an. Er brachte die Apostel in sein Haus, versorgte ihre Wunden, diente ihnen und ließ sich und seine ganze Familie taufen. Als Paulus sich nicht selber rettete, konnte der Gefängnisaufseher und seine ganze Familie gerettet werden.

Am nächsten Morgen erhielten sie von den Stadtrichtern die Nachricht, dass sie freigelassen werden sollten. Aber Paulus lehnte es ab, sich heimlich fortzuschleichen, sondern forderte, dass die Stadtrichter ihren Fehler einsehen und sie selber herausführen sollten. Dadurch wollten sie nicht ihren eigenen Stolz beweisen, sondern vielmehr den Stadtrichtern helfen, dass sie die Gläubigen in Zukunft nicht verfolgen würden. Danach gingen sie zum Haus von Lydia, wo die Gemeinde versammelt war.

Heute haben wir gelernt, der Führung Gottes durch den absoluten Gehorsam des Glaubens zu folgen, sodass Gott uns in seiner Heilsgeschichte kostbar gebrauchen kann, sein Werk in dieser Generation weiterzuführen. Wie haben auch gelernt, jedes Zweierbibelstudium absolut hochzuachten, indem wir unsere Hoffnungsträger als die historischen Persönlichkeiten wie Lydia betrachten. Lasst uns Gottes Ruf „Komm herüber und hilf uns!“ hören und das Gefäß der Zusammenarbeit für die Welt Campus Mission bilden, dass durch unser Zweierbibelstudium die 1.700 Campus in Europa erobert werden und Europa als Hirtennation für die Weltmission gebraucht werden darf.

Hast du mich lieb

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HAST DU MICH LIEB

Johannes 21,1 – 25
Leitvers 21,15

„Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!“

Danken wir Gott, dass er bei der Global Leaders Konferenz alle Prediger, Workshop-, Exodus- und Stellungnahmevortragenden kostbar aufgestellt und unsere Lebensentscheidung erneuert hat, als globale geistliche Leiter und Zweierbibellehrer für das Buch Exodus gebraucht zu werden. Danken wir Gott, dass er den Leadership- und Exodus-Workshop seines Knechtes und des Predigerteams in Spanien gesegnet und ihnen geistliche Orientierung und Vision geschenkt hat.

In Johannes 21 geht es um Jesu unveränderliche, bedingungslose Liebe zu seinen Jüngern. Dabei stellt Jesus vor allem Petrus‘ Liebesbeziehung wieder her und hilft ihm, aufgrund der Liebe Jesu sein neues Leben als ein Hirte zu führen. Wie können wir als Hirten leben? Mein Gebet ist, dass wir uns an die unveränderliche Liebe Jesu zu uns erinnern und aufgrund seiner Liebe unser neues Leben für die verlorengehenden Schafe am Campus hingeben.

1. Kommt und haltet das Mahl (1-14)

Lesen wir Vers 1: „Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: …“ Jesus war von den Toten auferstanden und seinen Jüngern zweimal in Jerusalem erschienen. Er zeigte ihnen die Wunden in seinen Händen und an seiner Seite und zeigte sich als der lebendige Herr. Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern ein drittes Mal am See Tiberias.

Was taten die Jünger vor ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Herrn? Kaum war Jesus aus ihrem Blickfeld verschwunden, waren die Jünger mit sich selbst beschäftigt. Vers 3 sagt, dass Simon Petrus fischen ging und die anderen mit ihm kamen. Sie stiegen ins Boot und in der Nacht fingen sie nichts. Sie hatten schon als Jünger versagt, als sie Jesus vor seinem Tod verlassen hatten. Nun scheiterten sie auch als Fischer. Sie mussten verzweifelt gewesen sein. Jeder von uns kennt solche Situationen. Jemand setzt sich für das Werk Gottes Jahre lang ein, aber scheinbar ohne Früchte. Jemand geht einladen, aber wird nur abgelehnt. Ein anderer lernt viel fürs Studium, aber fällt durch. Misserfolge machen uns niedergeschlagen. Doch es gibt jemanden, der uns sieht und uns wiederherstellt.

Sehen wir uns Vers 4 an: „Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.“ Jesus sah die Not seiner Jünger und offenbarte sich ihnen als der auferstandene Herr, der all ihr Versagen trug und ihnen einen Neuanfang geben wollte. Er ignorierte sie nicht, sondern sprach sie zuerst an. Wie eine liebevolle Mutter fragte er sie: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Dann forderte Jesus sie auf: „Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.“ Das war für die Jünger aufgrund ihrer negativen Erfahrung kein leichter Auftrag. Es war auch nicht die passende Zeit zum Fischen. Aber als sie dem Wort Jesu gehorchten, erfuhren sie die Macht des Wortes und Johannes erkannte als erster, dass es der Herr war. Als sie dem Wort Jesu gehorchten, erlebten sie ein Wunder: Sie konnten das Netz nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Auch wir sind manchmal mit uns selbst so beschäftigt, dass wir ohne den auferstandenen Jesus versuchen, dieses und jenes zu bewältigen. Obwohl Jesus immer bei uns ist, erkennen wir ihn nicht. Einer meiner Freunde meinte, dass er in seinem ganzen Leben noch nie Jesus erfahren habe. Doch wann erkannten die Jünger, dass es der Herr war? Als sie dem Wort Jesu gehorchten. Augustinus befand sich in einer psychischen und körperlichen Krise. Doch sein Gehorsam gegenüber einem Wort aus Römer 13,13.14 half ihm, sein neues Leben nicht mehr in Ausschweifung und Begierden, sondern unter der Herrschaft Jesu zu führen und als ein einflussreicher Zeuge des Evangeliums gebraucht zu werden. Durch unseren Gehorsam gegenüber mindestens einem Wort erfahren wir, wie der auferstandene Herr unseren Misserfolg wieder gut macht und uns einen Neuanfang mit ihm schenkt.

Sehen wir uns Vers 9 an. Als die Jünger ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische und Brot darauf. Jesus bat sie, ein paar Fische herzubringen und lud sie ein: „Kommt und haltet das Mahl!“ Normalerweise will man Menschen, die einen verletzt und enttäuscht haben, nicht dienen. Am liebsten möchte man nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Aber wer ist Jesus? Jesus liebte die Jünger initiativ und bedingungslos. Sie hatten die Liebe Jesu nicht verdient. Aber Jesus diente seinen untreuen, gescheiterten Jüngern mit der unveränderlichen Liebe. Wie Offenbarung 3,20 sagt, steht Jesus auch vor unserer Herzenstür, weil er unsere Beziehung zu ihm wiederherstellen will. Wir brauchen nur seine Stimme zu hören und die Tür aufzutun, damit Jesus hineinkommt und mit uns das Abendmahl hält. Danken wir Jesus, der uns nicht verdammt hat, sondern uns zu seinem Mahl einlädt und unsere durch die Sünde zerbrochene Beziehung zu ihm wiederherstellt. „Kommt und haltet das Mahl“ ist Jesu Einladung für uns, seine bedingungslose Liebe anzunehmen und geistlich wiederhergestellt zu werden. Nachdem die Jünger die Liebe Jesu geschmeckt hatten, wandte sich Jesus Petrus zu um ihm zu helfen, sein Leben auf die absolute Liebe Jesu zu bauen und diese Liebe praktisch zu erwidern.

2. Hast du mich lieb? (15-25)

Die Frage „Hast du mich lieb?“ öffnet unsere Augen für die wunderbare Liebe Jesu und gibt uns wichtige Erkenntnisse:

1. Die Liebe Jesu offenbart, dass wir Sünder sind. 2. Die Liebe Jesu ist die Basis unseres neuen Lebens. 3. Die Liebe Jesu führt uns zur Buße.

Erstens: Die Liebe Jesu offenbart, dass wir Sünder sind.

Früher sagte Petrus: „Wenn sie auch alle Ärgernis nehmen, so will ich doch niemals Ärgernis nehmen an dir.“ Petrus dachte, dass er unter den Jüngern Jesus am meisten lieben würde. Er wusste nicht, welch ein selbst-süchtiger, selbstgerechter Sünder er war. Durch Jesu Frage: „Hast du mich lieber, als mich diese haben?“ erkannte Petrus, dass er in Wahrheit Jesus nicht am meisten liebte. Darum antwortete er: „Du weißt, dass ich dich liebhabe.“ Damit bekannte er vor Jesus, welch ein Sünder er war, dessen Liebe zu Jesus begrenzt war. Wir neigen dazu, uns für etwas bessere Sünder als andere zu betrachten. Die Wahrheit ist, dass wir alle Sünder sind, die Jesus nicht geliebt, sondern verleugnet und gekreuzigt haben. John Bunyan, der Autor des Buches „Die Pilgerreise“ sagte: „Lerne dich selbst kennen, was für ein schrecklicher Sünder du bist: Denn du kannst die Liebe Christi nicht erkennen, wenn du nicht vorher die Sündhaftigkeit deiner Natur erkannt hast.“ Das ist es, was Apostel Paulus vorlebte. Er setzte sich für das Werk Gottes restlos ein und arbeitete viel mehr als alle andern. Aber er bekannte immer wieder, dass er der schlimmste Sünder unter allen Sündern war. Wir dürfen unsere eigene Sündhaftigkeit erkennen und gleichzeitig die unfassbare Gnade und Liebe Jesu, die er uns am Kreuz erwiesen hat.

Zweitens: Die Liebe Jesu ist die Basis unseres neuen Lebens.

Jesus half Petrus, sein Leben nicht mehr auf seine Worte und Taten, sondern auf die Liebe Jesu zu bauen. Früher war Petrus sich seiner Liebe zu Jesus sicher, darum sagte er: „Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen.“ Als er aber sein Leben auf seine Worte baute, hatte er keine Kraft im entscheidenden Moment Jesus zu lieben. Jesus liebt uns absolut. Er hat uns seine Gnade zuteilwerden lassen und uns von der Verdammnis errettet. Jesus hat sein Leben gelassen, damit wir das ewige Leben haben. Wenn wir unser Leben auf diese Liebe bauen, dann können wir ein verändertes Leben führen und auch in Anfechtung und Bedrängnis unsere Liebesbeziehung zu Jesus festhalten. Einmal befand sich Josef im Haus des Beamten Potifar. Da wurde er durch Potifars Frau verführt. Aber er erinnerte sich an Gottes Liebe und Segen, sodass er sich weigerte und floh. Wie konnte Pastor Son dem Mörder, der seine Söhne erschossen hatte, vergeben? Es war möglich, weil die Liebe Jesu die Basis seines Lebens war. In jeder Lage dürfen wir uns an die Liebe Jesu erinnern und auch in den entscheidenden Momenten daran festhalten.

Drittens: Die Liebe Jesu führt uns zur Buße.

Es gab etwas, was Petrus mehr lieb hatte als Jesus. Vor einer Magd konnte er Jesus nicht bekennen, weil er sein eigenes Leben mehr liebte als Jesus. Doch Jesus half Petrus, von nun an nicht mehr das Fischen, nicht die irdischen Schätze und nicht sein eigenes Leben, sondern mehr und mehr Jesus zu lieben und schließlich sein Leben für ihn hinzugeben. Petrus wurde traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal fragte: „Hast du mich lieb?“ Je öfter wir Jesu Frage „Hast du mich lieb?“ für uns persönlich hören, desto mehr wird uns bewusst, wie wenig wir Jesus lieben und wie viel wichtiger andere Dinge oder andere Menschen für uns geworden sind. Schule, Studium, Arbeit, Familie, Gesundheit sind gute Dinge. Aber sobald diese Dinge für uns wichtiger werden als Jesus, sobald wir diesen Dingen mehr Wert geben als Jesus, ist es Zeit Buße zu tun, zu Jesus umzukehren.

Petrus‘ Liebe zu Jesus war begrenzt, aber er bekannte trotzdem seine Liebe zu Jesus, indem er sagte: „Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Damit meinte Petrus: „Herr, du kennst mich. Du weißt, wie sehr ich dich verletzt habe. Du weißt, dass ich dich verleugnet habe. Aber du liebst mich trotzdem. Darum möchte auch ich dich lieben.“ Aufgrund der Liebe wurde Petrus‘ Herz bewegt, sodass er Buße tat und bereit war, ein neues Leben zu führen. Wie sollte Petrus‘ Leben nach seiner Buße aussehen? Wie sollte Petrus seine Liebe zu Jesus praktisch bekennen?

1. Schafe weiden ist die Frucht der Buße und des neuen Lebens. 2. Schafe weiden ist unser praktisches Liebesbekenntnis für Jesus.

Erstens: Schafe weiden ist die Frucht der Buße und des neuen Lebens.

Jedes Mal, nachdem Petrus antwortete, sprach Jesus zu ihm: „Weide meine Lämmer!“ „Weide meine Schafe!“ Jesus hatte Petrus nicht nur vergeben, sondern ihn als einen Hirten für die Schafe aufgestellt. Jesus wünschte sich von Petrus, dass er von nun an durch ein Schafe weidendes Hirtenleben die Früchte der Buße hervorbringen würde. Für Petrus wäre es bequemer gewesen, ewig Schaf zu bleiben. In seinem alten Leben ging er, wohin er wollte. In seinem neuen Leben sollte er aber der souveränen Führung Gottes folgen. Lesen wir die Verse 18 und 19: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst. Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!“ Petrus‘ wahre Buße zeigt sich darin, dass er sein neues Leben im Gehorsam gegenüber dem Befehl Jesu begann. Gott gebrauchte ihn für die Welterlösungsgeschichte kostbar. Als ein Zeuge Jesu predigte er das Evangelium unter allen Umständen und zahlreiche Menschen kamen zum Glauben.

Wir waren auch Schafe. Hirte zu sein erfordert Demut, Glauben und Selbstverleugnung. Darum ist die Versuchung groß, sich nur auf die Sicherheit in der Welt zu konzentrieren. Es ist bequem, ewig Schaf zu bleiben und die Liebe Jesu nur zu genießen. Aber wenn wir Jesus lieben, dann möchte Jesus, dass wir seiner Orientierung „Weide meine Schafe!“ konsequent folgen. Durch das Weiden der Schafe Jesu bezeugen wir, dass wir das neue Leben in Christus empfangen haben. Das Schafe weidende Leben ist die Frucht unseres neuen Lebens, wozu Gott uns berufen hat und das Gott für die Ausbreitung seines Reiches gebraucht.

Zweitens: Schafe weiden ist unser praktisches Liebesbekenntnis für Jesus.

Für Petrus war es an der Zeit, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Es hat keine Bedeutung zu behaupten „Ich will mein Leben für dich lassen“ und später aus lauter Furcht zu sagen: „Ich kenne Jesus nicht.“. Schafe weiden ist unser Ausdruck unserer Liebe zu Jesus. Durch eine einzige Frage „Hast du mich lieb?“ half Jesus Petrus zu erkennen, worauf es im Hirtenleben ankommt. Die Voraussetzungen waren nicht bestimmte Fähigkeiten, sondern seine Liebe zu Jesus. Wenn wir uns an Jesu Liebe zu uns erinnern und Jesus wirklich lieben, dann wollen und werden wir Jesu Schafe weiden.

Es gibt verschiedene Versuchungen, warum wir Jesu Schafe nicht weiden können und wollen. Eine Versuchung ist: „Ich kann keine Schafe weiden, weil ich mich zuerst um mich selbst kümmern soll.“ Die Wahrheit ist, dass Menschen, die so denken, sich selbst mehr lieben als Jesus, da sie keine Schafe weiden. Ich dachte, ich würde Jesus lieben. In der Tat aber liebte ich mich selbst am meisten. Obwohl ich mit drei Teenagern das Zimmer teilte und so viele Studenten am Campus sah, betrachtete ich sie nicht als Schafe Jesu, sondern nur als Mitbewohner und Konkurrenten. Ich lebte gleichgültig und beziehungslos. Jesus aber betete am Kreuz für die Vergebung meiner Begierde: „Vater, vergib ihm; denn er weiß nicht, was er tut!“ Wenn ich daran denke, wieviel Zeit, Geld und Kraft ich nur für die Befriedigung meiner Lüste hingab oder den ganzen Tag ungewollt mit dem Glückspiel beschäftigt war, aber wie Jesus mich von dieser Qual der Sünde errettet hat, dann kann ich Jesus nur Danke sagen: „Danke Jesus, dass du mich errettet hast, mich geliebt hast, obwohl ich dich ans Kreuz geschlagen habe.“ Aufgrund der wunderbaren Liebe Jesu zu mir habe ich mich entschieden, nicht die Frauen, nicht das Geld und nicht die berufliche Sicherheit, sondern Jesus mehr und mehr zu lieben. Aus der Liebe zu Jesus habe ich mich entschieden, nicht ein selbst- und anerkennungssüchtiges Leben in dieser Welt zu führen, sondern in der Lebensgemeinschaft mit dem Esra-Team und durch das Einladungs- und Zweierbibelstudiumswerk zu einem Hirten für die Studenten der Uni Bonn und Wuppertal heranzuwachsen. Wegen der Liebe Jesu zu mir habe ich Freude, jeden Abend mit dem Esra-Team zu beten und mit Studenten das Wort Gottes zu teilen. Mein Hoffnungsträger ist sehr fleißig und arbeitet hart, um durch den Erfolg und die Sicherheit in dieser Welt glücklich zu sein. Aber was ihn wirklich glücklich macht und was ihm das ewige Leben gibt ist allein das Wort Gottes. Darum darf ich ihm und den Studenten das Wort Gottes weitergeben und glauben, dass das Wort Gottes in ihnen wirkt und sie zum überaus großen Heer Gottes verändert.

Viele, die die Liebe Jesu erkannt haben, wissen, dass sie eigentlich als Hirten leben sollten. Aber es gibt immer etwas Wichtigeres zu tun. Wir sind immer beschäftigt. Darum wollen nicht wenige später erst als Hirten leben. Jesus aber spricht heute zu mir und zu dir: „Hast du mich lieb? Wenn ja, dann weide meine Schafe!“ Wie können wir aber heute unsere Liebe zu Jesus bekennen und als Hirten leben? Indem wir uns an die Liebe Jesu erinnern und aufgrund der Liebe Jesu heute mindestens einer Seele mit dem Wort Gottes dienen. Wie möchtest du heute deine Liebe zu Jesus bekennen? Jesus gibt uns eine klare Orientierung: „Hast du mich lieb? Weide meine Schafe!“

Lesen wir die Verse 20-22: „Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus lieb hatte, der auch beim Abendessen an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: Herr, wer ist’s, der dich verrät? Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem? Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!“ Als Petrus herausgefordert wurde als Hirte zu leben und als Märtyrer zu sterben, fiel sein Blick auf Johannes. Aber Jesus half ihm, sich nicht mit den anderen zu beschäftigen, sondern die Mission als Hirte persönlich zu ergreifen. Jesus lädt uns alle persönlich zur Nachfolge ein. Wenn wir Jesus lieben und ihm nachfolgen wollen, dann dürfen wir vor Gott eine persönliche Lebensentscheidung treffen, Jesu Befehl „Weide meine Lämmer! Weide meine Schafe!“ von heute an zu gehorchen.

Heute haben wir Jesu absolute, unveränderliche Liebe kennengelernt. 1.Johannes 4,19 sagt: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“ Wegen der absoluten Liebe Jesu zu uns dürfen wir unsere Liebe ihm dadurch ausdrücken, dass wir seine Schafe am Campus weiden. Ich bete, dass wir jeder als Hirten in diesem Wintersemester von Gott gebraucht werden, indem wir aus unserer Liebe zu Jesus die Studenten durch das Zweierbibelstudium weiden. Lasst uns als Hirten mit Gott zusammenarbeiten, die die toten Gebeine der jungen Menschen lebendig machen und sie als sein überaus großes Heer für die geistliche Wiedererweckung in Europa gebraucht.

Gebt ihr ihnen zu essen

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GEBT IHR IHNEN ZU ESSEN

Markus 6,30 – 44
Leitvers 6,37a

„Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen!“

In dieser Botschaft wollen wir das jammernde Hirtenherz Jesu, sein Verantwortungsbewusstsein und den „fünf Brote und zwei Fische“ Glauben der Jünger lernen. Lasst uns dadurch erkennen, mit welchem Herzen und mit welchem Glauben wir dem Werk Gottes einflussreich dienen können. Gott helfe uns, den Befehl Jesu „Gebt ihr ihnen zu essen!“ persönlich zu hören und unsere fünf Brote und zwei Fische des Zweierbibelstudiums zu Jesus bringen.

1. Sie jammerten ihn (30-33)

Jesus hatte seine Jünger zu ihrem ersten Missionseinsatz ausgesandt. Als sie zurückkamen, berichteten sie Jesus voller Begeisterung von allem, was sie getan und gelehrt hatten. Sie hatten den Menschen Buße gepredigt, böse Geister ausgetrieben und viele Kranke geheilt. Jesus wusste, dass seine Jünger nun etwas Erholung brauchten. Sehen wir uns Vers 31a an: „Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig.“ Wie sehr mussten sich die Jünger gefreut haben, dass Jesus ihnen eine kurze Auszeit gönnte und sie an eine einsame Stätte sandte. Vers 31b sagt, dass so viele Menschen zu Jesus kamen, dass sie nicht einmal genug Zeit zum Essen fanden. Betrachten wir Vers 32: „Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein.“

Damit war die Begebenheit aber noch nicht beendet: Als die Menschen sahen, dass ihr guter Hirte weggefahren war, liefen sie zu Fuß um den halben See und kamen Jesus und den Jüngern zuvor. Sie stellten sich ans Ufer des Sees und winkten dem ankommenden Boot zu. Als das Boot anlegte, riefen die Leute wild durcheinander: „Willkommen Jesus. Wir sind auch schon alle da!“ Wie konnten diese Menschen so schnell an diese Stätte kommen? Es war, weil jeder von ihnen ein dringliches persönliches Anliegen hatte, dass er oder sie unbedingt gelöst bekommen wollte.

Sehen wir uns Vers 34 an: „Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt an.“ Die Jünger hatten sich so sehr auf die gemeinsame Zeit mit Jesus gefreut. Vielleicht dachten sie: „endlich einmal ausschlafen; endlich mit Jesus eine Grillparty feiern; endlich mit Jesus Bibelstudium haben.“ Doch nun stand diese überaus große Menschenmenge am Ufer. Was tat Jesus angesichts dieser Situation? Sagte er: „Bitte kommt nächste Woche um die gleiche Zeit wieder!“ oder machte Jesus eine „Massenheilung“ indem er alle auf einmal gesund machte und sie dann wegschickte? Lesen wir Vers 34 gemeinsam: „Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt an.“ Jesus sah jeden Einzelnen aus dieser Menge ganz persönlich. Jeder hatte ein ganz eigenes, spezifisches Problem.

In unserer Zeit ist die Welt weit entwickelt, z. B. in Bezug auf Technik oder Medizin. Doch haben die Menschen nun keine Probleme mehr? Ein Sprichwort sagt: „Kleine Kinder kleine Sorgen; große Kinder große Sorgen.“ Obwohl viele Menschen um uns herum in guten Bedingungen leben und viele zufrieden aussehen, trügt dieser äußere Schein sehr. Viele Menschen leiden unter Einsamkeit. Eine wohlhabende pflegebedürftige Frau schenkte einem Praktikanten eine Münze, weil sie sich so sehr freute, einen glücklichen Menschen zu sehen. Ein Student aus Asien wunderte sich, als er erfuhr, dass in Deutschland sogar Millionäre ins Altenheim gehen, weil sich die Kinder nicht um ihre Eltern kümmern wollen. Ein junger Mann ist innerlich verzagt und verzweifelt, weil er seinen Studienabschluss immer wieder vor sich her schiebt. Wir fragen uns auch, warum junge Menschen zu Drogen greifen oder sich z. B. für Komasaufen hingeben, obwohl sie in guten Bedingungen aufgewachsen sind. Damals und auch heute ist das wahre Problem der Menschheit aber nicht ein Bedingungsproblem, sondern die Hirtenlosigkeit, d. h. der Mangel an Menschen, die sich mit Hirtenherzen um ihren Nächsten kümmern.

Jesus erzählte in Lukas 10 ein Gleichnis. Ein Mensch ging von Jerusalem nach Jericho. Unterwegs wurde er von Räubern zusammengeschlagen, ausgeraubt und halb tot liegengelassen. Nun kamen verschiedene Personen des Weges: ein Priester, ein Levit, ein Samariter. Der Priester und der Levit gingen einfach vorüber. Der Samariter aber sah diesen Mann und er jammerte ihn. Der Samariter goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband ihn. Er hob ihn auf sein Tier, brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag gab er dem Wirt zwei Silbergroschen, damit er den Verletzten pflege; und wenn das Geld nicht reichen würde, dann wollte er es bei nächster Gelegenheit erstatten. Eigentlich hatten Juden und Samariter gar keine Beziehung und keine Gemeinschaft miteinander. Es wäre völlig normal gewesen, wäre der Samariter vorübergegangen. Aber sein jammerndes Hirtenherz ließ es ihm nicht zu, diesen Schwerverletzten liegen zu lassen. Der Priester und der Levit, die gleichgültig vorübergingen ermahnen uns, Gottes kostbare Schafherde nicht gering zu achten oder sie gar zu verachten.

Jesus diente der Menge am See mit jammerndem Herzen. Ja er diente auch uns stinkenden, nicht liebenswerten Sündern aus seinem jammernden Hirtenherzen und gab sogar sein Leben zu unserer Erlösung am Kreuz völlig hin. Wir haben so viel Gnade von Jesus empfangen. Sollten wir da nicht auch – als Schuldner der Gnade Jesu – mit jammerndem Hirtenherzen den jungen Menschen an unserer Uni, unserem Campus, unserer Schule als Hirten dienen? Lasst uns das jammernde Hirtenherz Jesu gegenüber den einsamen, verzweifelten, orientierungssuchenden und nach Rat und Hilfe schreienden jungen Menschen praktizieren und einer verlorenen Seele bis zum Ende zu dienen.

Wenn wir auf die Geschichte Gottes – auch unter uns – zurückblicken, dann können wir finden, dass dort, wo ein Mensch ein jammerndes Hirtenherz hat, ein wunderbares Werk Gottes geschieht. Eine Hausgemeinde lud einheimische junge Menschen zur Lebensgemeinschaft ein. Während sie den Studenten schöne Zimmer zur Verfügung stellten, lebten sie selber in einem kühlen und feuchten Kellerzimmer. Eine Missionarin kochte köstliche Speisen und wusch die schmutzige Wäsche dieser Studenten. So lernten diese jungen Menschen etwas von dem jammernden Hirtenherzen der Knechte Gottes und öffneten ihre Herzen für das Wort Gottes. Einige wurden verändert und als Mitarbeiter, Bibellehrer und Prediger des Wortes aufgestellt. Ein Knecht Gottes diente einer in Korea als Sorgenkind bekannt gewordenen jungen Frau. Er nahm sie an, wie eine eigene Tochter und pflanzte den Glauben in sie ein, trotz mehrfach erfahrener Absagen für ein Gesangstudium, sich erneut auf die Eintrittsprüfung vorzubereiten. Schließlich durfte sie wegen des Glaubens ihres Hirten für das Studium angenommen werden und es sogar als eine Jahrgangsbeste für die Ehre Gottes abschließen.

Wo es einen Menschen mit einem jammernden Hirtenherz gibt, da geschieht ein gnädiges und segensreiches Werk Gottes. Wo ein Mensch mit jammerndem Herzen Gottes Wort zu einer geistlich toten Generation predigt, wird das Wort Gottes das grundlegende Lebensproblem der Menschen lösen und ein herrliches Schöpfungswerk Gottes offenbar machen. Manchmal wissen wir nicht genau, wie wir den jungen Menschen helfen könnten. Ihre Probleme scheinen zu verzwickt und kompliziert zu sein. Wir sollen aber grundlegend glauben, dass nicht wir selber, sondern das Wort Gottes die Probleme lösen und junge Menschen zu einer neuen Kreatur verändern wird. Jesus diente der Menge mit dem Wort Gottes. Der Psalmist bezeugt in Psalm 119 die Kostbarkeit des Wortes Gottes: „Dein Wort ist in meinem Munde süßer als Honig. … Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ Unser Herr Jesus sagte in Johannes 5,24: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ Unser gemeinsames Jahresleitwort aus Hesekiel 37,10 ermutigt uns, das Wort Gottes durch den Glauben den geistlich Toten zu predigen. Gott schenke uns das jammernde Hirtenherz Jesu, um im Wintersemester dem Einladen und Zweierbibelstudium zu dienen und die lebengebende Macht des Wortes Gottes zu erfahren.

2. Gebt ihr ihnen zu essen! (35-44)

Wie Vers 34b berichtet, fing Jesus eine lange Predigt an. Jesus predigte das Wort Gottes vom Morgen bis zum Abend. Er predigte es so lebendig, dass es den Leuten überhaupt nicht langweil wurde. Je länger Jesus predigte, umso brennender wurden ihre Herzen für das Wort Gottes. Sie vergaßen sogar ihren Hunger, weil Jesu Wort so gnädig und so ermutigend für sie waren. Aber dann gab es dort noch die Jünger Jesu. Ihre Haltung vor dem Wort Gottes war ganz anders. Die Zeit schien nicht zu vergehen.
Immer wenn sie dachten, dass Jesus nun zum Ende kommen würde, begann Jesus mit neuer Kraft zu predigen. Die Jünger flüsterten sich vielleicht gegenseitig in die Ohren: „Was ist mit Jesus los? Warum kriegt er heute kein Ende? Wenn er eine Pause macht, müssen wir sofort zu ihm gehen und ihn bitten, die Leute wegzuschicken und sich Brot zu kaufen.“ Schließlich sprachen sie zu Jesus: „Es ist öde hier, und der Tag ist fast vorüber; lass sie gehen, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich Brot kaufen.“ Dieser Ratschlag schien gut gemeint und vernünftig. Aber Jesus war von dem Plan der Jünger wenig begeistert. Jesus hatte die Jünger durchschaut, dass sie in Wahrheit nur an ihren eigenen knurrenden Magen dachten und diese Menge so schnell wie möglich loswerden wollten. Was sagte Jesus? Lesen wir den Leitvers 37a: „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen!“ Von diesem Wort Jesu lernen wir zwei Dinge:

Erstens: Das Verantwortungsbewusstsein

Jesu Herzenswunsch war es, seinen Jüngern Hirtenherz und Verantwortungsbewusstsein zu lehren. Seine Jünger sollten zu künftigen geistlichen Leitern wachsen. Ein Leiter ist aber nicht ein Leiter, wenn er sich von anderen bedienen lässt. Sondern er ist ein Leiter, wenn er sich um die ihm anvertrauten Seelen kümmert, ihnen mit Hirtenherz und Verantwortungsbewusstsein dient. Manchmal müssen wir uns um die praktischen Anliegen der anvertrauten Menschen kümmern. Vor allem aber müssen wir uns um ihre geistlichen Anliegen kümmern. In unserer Zeit herrscht der Individualismus vor. Man denkt, dass jeder sich um seine eigenen Probleme kümmern sollte. So denken auch viele, dass der Glaube eine Privatsache sei und dass niemand sich in das Leben anderer Menschen einmischen dürfe. Von Jesus lernen wir hier, dass er den Jüngern half, über ihre Selbstzentriertheit und Individualismus Buße zu tun. Von nun an sollten die Jünger Verantwortung für die Menge tragen und so als Hirten gebraucht werden. Und wie sehr wurden die Jünger später verändert. Z. B. berichtet uns die Apostelgeschichte, wie die Apostel beim Pfingstfest in Vollmacht predigten und viele zum Glauben führten; wie Petrus und Johannes der ersten Gemeinde dienten, wie sie umherzogen und das Evangelium predigten, Kranke heilten, schließlich den Heiden das rettende Wort Gottes verkündigten. Wir sehen, dass die Jünger zu geistlichen Leitern verändert wurden, die mit Verantwortungsbewusstsein der Herde Gottes in der ganzen Welt dienten. Lasst uns im Wintersemester mit Verantwortungsbewusstsein das Wort Gottes zu den jungen Menschen predigen und Gottes lebengebende und lebenverändernde Macht erfahren.

Zweitens: Glaube, der fünf Brote und zwei Fische zu Jesus bringt

Was hatte Jesus seinen Jüngern in Vers 37a gesagt? „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Die Jünger hatten eigentlich nichts: nur hungrige, knurrende Mägen und leere Hosentaschen! Das wusste Jesus auch. Dennoch gab er ihnen diesen Befehl, weil er ihnen den allein von Gott abhängigen Glauben lehren wollte. Jesus wollte Glauben in ihre Herzen pflanzen, der fünf Brote und zwei Fische sucht, findet und sie zu Jesus bringt. Die Jünger dachten nur „unmöglich!“ Aber Jesus dachte „Alle Dinge sind möglich, dem der da glaubt!“ Die Jünger dachten „Wenn wir 200 Silbergroschen hätten, dann wäre auch das nicht genug für so viele!“ Aber Jesus dachte: „Obwohl es hier keine Bäckerei und keinen Aldi mit Backstation gibt, sollen die Jünger in der Menge suchen und das bringen, was sie finden können.“ Schließlich forderte Jesus sie heraus und sagte: „Wie viele Brote habt ihr? Geht hin und seht!“ Das bedeutet: „bleibt nicht nutzlos stehen in euren negativen, berechnenden Gedanken. Bleibt nicht hilflos, sondern geht in der Menge umher und schaut, was ihr findet!“ Als sie das taten, was fanden sie da? Sie fanden fünf Brote und zwei Fische. Das war wirklich wenig. Vielleicht eine Mahlzeit für ein kleines Kind. Aber genau das brachten die Jünger zu Jesus. Und Jesus dachte nicht, dass dies zu wenig wäre. Vielmehr leuchteten seine Augen, weil er sich über den Glauben seiner Jünger sehr freute, die fünf Brote und zwei Fische zu ihm brachten. Auch wir können Jesus erfreuen, indem wir unsere fünf Brote und zwei Fische suchen und diese durch den Glauben zu Jesus bringen.
Zum Beispiel gleicht unser Zweierbibelstudium fünf kleinen Broten und zwei Fischen! In den Augen der weltlichen Leute scheint das Zweierbibelstudium zu uneffektiv, zu gering, zu unscheinbar. Was hat überhaupt ein Zweierbibelstudium mit der Weltmission zu tun? Was hat ein Bibelstudium mit der Aufstellung von 10.000 Bibellehrern und mit der geistlichen Wiedererweckung in Europa zu tun? Wenn wir aber zurückblicken auf das Werk Gottes unter uns, dann stellen wir fest, dass auch dieses Werk von einem unscheinbaren kleinen Krippenwerk in einem Wohnzimmer zu einem geistlichen Stützpunkt für die Europa- und Moslemmission gewachsen ist. Gott hat durch das Zweierbibelstudium in den Studenten gewirkt und entschlossene Hirten und Bibellehrer aufgestellt und sie zu geistlichen Leitern erzogen. Wir sehen mit unseren eigenen Augen, dass Gott durch das Zweierbibelstudium unter der nächsten Generation globale geistliche Leiter aufstellte. Und wir sehen Gottes Vision durch heranwachsende geistliche Leiter, Deutschland als Hirtennation für die 1.700 Unis in Europa und sogar bis in die muslimische Welt zu gebrauchen.

Wie können wir heute Jesus erfreuen? Jesus freut sich, wenn wir fünf Brote und zwei Fische suchen und sie im Glauben zu ihm bringen. Welches sind Eure fünf Brote und zwei Fische? … Meine 5Brote und zwei Fische sind z. B. das Frühgebet, das Einladen der Hoffnungsträger in der Mittagspause; das Zweierbibelstudium mit einem Hoffnungsträger. Ein einzelnes Bibelstudium scheint nicht viel zu bedeuten. Aber Gott gebraucht und segnet ein Bibelstudium wie fünf Brote und zwei Fische. Durch ein Bibelstudium von Apostel Paulus wurde Lydia zu einer Stammmutter des Glaubens für die Europamission aufgestellt. Wir dürfen mit Jesus zusammenarbeiten und unsere fünf Brote und zwei Fische finden und die jungen Menschen damit geistlich speisen. Fünf Brote und zwei Fische des Gebets, des Einladens, des Bibelstudiums wird Jesus annehmen, segnen und vermehren, um an den 360 Hochschulen in Deutschland und an 1700 Unis in Europa 10.000 Bibellehrer und fünf Millionen Gebetsmitarbeiter aufstellen.

Lasst uns Jesu Befehl „Geht hin und seht“ persönlich hören und hingehen, sehen, finden und unsere fünf Brote und zwei Fische durch den Glauben zu Jesus bringen: Ein Zweierbibelstudium sind fünf Brote und zwei Fische; das Frühgebet sind 5B2F; die Lebensgemeinschaft des Esrateams sind fünf Brote und zwei Fische; das Mediziner-Bibelstudium sind fünf Brote und zwei Fische; das Campusbibelstudium am Juridicum und in Rhein-Sieg sind fünf Brote und zwei Fische. Unser Website-Team und das Senfkorn-Orchester sind auch fünf Brote und zwei Fische für die Europamission, die wir nicht verachten sollen. Gehen wir in diesem Wintersemester aktiv hin, suchen wir unsere fünf Brote und zwei Fische und bringen wie sie zu Jesus! Gott möchte gerade Deine fünf Brote und zwei Fische segnen und gebrauchen, um Deutschland und Europa geistlich zu erneuern, es wieder zu erwecken und zu einem Missionare sendenden Kontinent für die Weltmission aufzustellen.

Lesen wir die Verse 39-41. Die Jünger arbeiteten zusammen, indem sie die Leute sich tischweise auf das grüne Gras lagern ließen. So bereiteten sie die Umgebung vor, in der Jesus wirken konnte. Dann nahm Jesus die fünf Brote und zwei Fische, sah auf zum Himmel, dankte und bracht die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie unter ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle. Es geschah ein Wunder: das Brot und die Fische gingen nicht zuneige. Es war genug für alle 5000 Männer. Auch alle Frauen und Kinder wurden satt. Und es blieben noch zwölf Körbe voll übrig. So offenbare Gott sich als der allmächtige Gott, bei dem kein Ding unmöglich ist und der fünf Brote und zwei Fische gerne segnet. Dieser Gott ist auch heute derselbe Gott. Er will unsere fünf Brote und zwei Fische segnen, um alle Hochschulen in Deutschland, Europa, sogar die muslimische Welt geistlich zu erwecken und das Evangelium bis an die Enden der Erde verkündigen.

Gott segne jeden unter uns, mit jammerndem Hirtenherz und Verantwortungsbewusstsein der schmachtenden Schafherde Gottes durch das Zweierbibelstudium zu dienen und die lebengebende Macht des Wortes Gottes in den jungen Menschen zu erfahren. Der Herr gebrauche die Lebensentscheidung unserer globalen geistlichen Leiter, um Deutschland und Europa geistlich zu erwecken und es zu einem Königreich von Priestern aufzustellen.

Die zweite Missionsreise des Paulus

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DIE ZWEITE MISSIONSREISE DES PAULUS

Apostelgeschichte 15,36 – 16,40
Leitvers 16,9

„Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“

Durch die letzte Lektion lernten wir kennen, dass ein Mensch allein durch Gottes Gnade gerettet wird. Es ist das Werk Gottes, dass er seinen einzigen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt hat, damit er am Kreuz als Sühneopfer stirbt und von den Toten wieder aufersteht. Wer dieses Evangelium im Glauben einfach annimmt, der ist gerettet. Dann gibt es keinen Grund mehr, sich selbst zu rühmen. Vielmehr rühmt man sich nur noch wegen der wunderbaren Gnade Jesu. Diese macht uns dankbar, sie verändert unser Wesen und gibt uns ein Hirtenherz für all diejenigen, die noch nicht errettet sind. Als die frühen Christen allein auf dem Boden der Gnade Jesu standen, gab es Frieden zwischen den Juden und Heiden und die Weltmission ging mit großen Schritten voran.

Im heutigen Abschnitt erfahren wir, dass Paulus und Barnabas eine heftige Auseinandersetzung hatten. Sie führte schließlich dazu, dass beide getrennte Wege gingen. Nach diesem Ereignis hören wir in der Apostelgeschichte nichts mehr über Barnabas, stattdessen schloss sich Lukas der Arzt Paulus an. Paulus zweite Missionsreise führte ihn in die römische Kolonie Philippi. Durch eine konkrete Vision gab Gott ihm eine klare Orientierung, dass er das Evangelium auf den europäischen Kontinent bringen sollte. In Philippi fanden mehrere Bekehrungen statt und es wurde eine erste Gemeinde gegründet. Durch die heutige Lektion lernen wir, dass es Gott ist, der die Weltmission nach seinem Plan souverän führt. Jeder kann für Gott nützlich sein, wenn er lernt, wie er der Führung des Heiligen Geistes folgen soll. Möge Gott durch jeden von uns seinen Plan der Weltmission in unserer Zeit erfüllen.

1. Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns (15,36 – 16,10)
Sehen wir uns Vers 36 an: „Nach einigen Tagen sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns wieder aufbrechen und nach unsern Brüdern sehen in allen Städten, in denen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, wie es um sie steht.“ Barna-bas stimmte Paulus zu, wollte aber auch Markus mit auf die Reise nehmen. Doch Paulus war davon wenig begeistert, weil Markus sie während der ersten Reise verlassen hatte. Paulus war ein eifriger Missionar gewesen, der entschlossen war, Gottes heiliger Mission mit seinem ganzen Leben und aller Hingabe zu dienen. Und von allen, die mit ihm zogen, erwartete er genau dasselbe. Er wollte, dass sich das Missionsreiseteam voll und ganz Gott widmete. Barnabas hingegen war ein Mann, der ein weites Hirtenherz hatte. Er umarmte all diejenigen, die seine Hilfe brauchten. Er war wie eine Mutter, die ihr schwaches Kind mit viel Liebe und Fürsorge pflegt. Sowohl Paulus als auch Barna-bas meinten hier, im Recht zu sein. Paulus hätte Barnabas als zu humanistisch verurteilen können. Und Barnabas hätte Paulus wegen seiner Ungeduld und mangelnden Bereitschaft, die Schwäche anderer zu tragen, tadeln können. Jeder beharrte auf seiner Meinung. Schließlich trennten sie sich. Barnabas ging mit Markus nach Zypern, während Paulus Silas erwählte und mit diesem nach Syrien und Zilizien ging.

Manchmal sind geistliche Leiter nicht immer einer Meinung. Diese Begebenheit musste für einige schmerzhaft und auch irritierend gewesen sein. Doch Gott benutzte selbst diese Meinungsverschiedenheit für seine Zwecke. Einerseits segnete er den Dienst des Paulus und verbreitete durch ihn das Evangelium weiter in der ganzen Welt. Und zur gleichen Zeit segnete Gott Barnabas‘ Hirtenherz für Markus, der später über seine Sünde der Untreue Buße tat. Gott führte Markus durch Barnabas‘ Hirtenliebe zum Kreuz, wo er Jesus traf, der für seine Sünden gestorben war. Später schrieb Markus das uns bekannte Markusevangelium, in welchem er besonders die Macht der Gnade Jesu offenbart, die schwache in starke Menschen und ängstliche in mutige Menschen des Glaubens verändert. Markus wurde nützlich für Gott und auch für Paulus (2.Timotheus 4,11). Die Auseinandersetzung und Trennung von Paulus und Barnabas erinnert uns an Römer 8,28, wo es heißt: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“

Sehen wir uns Kapitel 16 Verse 1-3 an. Paulus und sein neugebildetes Missionsteam gingen zunächst nach Derbe und dann nach Lystra, wo ein junger Mann namens Timotheus lebte. Timotheus war ein Jünger Jesu gewesen und hatte eine klare Entscheidung für die Nachfolge Jesu getroffen, indem er sich bemühte, dem Wort Gottes zu gehorchen. Zu dieser Zeit war er vielleicht noch ein Teenager. Seine Mutter war eine Jüdin und eine gläubige Frau und sein Vater ein Grieche gewesen. Timotheus konnte Hebräisch und Griechisch sprechen und daher sowohl Juden als auch Griechen verstehen. Er hatte einen guten Ruf als treuer und vertrauenswürdiger Mensch. Als Paulus ihn sah, wurde sein Herz bewegt. Er sah in ihm einen Mann mit guten Führungsqualitäten. Daher wollte er ihn unbedingt auf der Reise dabeihaben.

Doch bevor er dies tat, beschloss Paulus Timotheus zu beschneiden. Er tat dies, um unnötige Kontroversen mit den Juden zu vermeiden. Wenn Timotheus unbeschnitten bliebe, hätten die Juden Paulus Gesetzesbruch vorwerfen können. Um seinen Dienst aber ganz auf die Verkündigung des Evangeliums zu konzentrieren, beschloss Paulus Timotheus zu beschneiden. Es war aber auch für Timotheus eine wichtige Lektion, dass er sich Paulus durch den Glaubensgehorsam unterordnete. Timo-theus` Einwilligung zur Beschneidung war der Beginn einer tiefen geistlichen Beziehung, durch die Paulus Timotheus als einen einflussreichen Diener Gottes aufstellen konnte. Später erfahren wir, dass Timotheus die Gemeinde in Ephesus leitete (1.Timotheus 1,3). Timotheus diente Gott mit seinem ganzen Leben und er wandte die gleichen Prinzipien des Glaubens an, die er von Paulus gelernt hatte. Junge Männer, die als geistliche Leiter wachsen wollen, müssen wie Timotheus den demütigen Gehorsam lernen.
Paulus, Silas und Timotheus reisten nun von Stadt zu Stadt und teilten die Beschlüsse, die auf der Apostelversammlung gefasst worden waren, den Gläubigen mit. Insbesondere war es ihr Anliegen, den Menschen weiterzugeben, dass man allein durch Gottes Gnade gerettet wird. Dies war in der Tat die frohe Botschaft für alle Gemeinden. So wurden die Gläubigen im Glauben gestärkt und verkündeten weiter eifrig das Evangelium, so dass die Zahl derer, die gläubig wurden stetig zunahm.

Nachdem das Missionsteam all jene jungen Gemeinden, die von Paulus auf seiner ersten Reise gegründet worden waren, besucht hatte, entstand die Frage, was sie als nächstes tun und wohin sie ziehen sollten. Statt aber endlos zu grübeln, zögerten sie nicht lange, sondern ergriffen sogleich die Initiative und versuchten zuerst in die Provinz Asien zu gehen. Der Heilige Geist jedoch hielt sie davon ab. Dann versuchten sie nach Bithynien zu reisen. Aber auch hier hielt sie der Geist Jesu davon ab und erlaubte es nicht. Trotz ihrer Bemühungen, hierhin und dorthin zu gehen, schlossen sich nach und nach alle Türen. Dies hätte für sie eine Entmutigung sein können. Doch hier sehen wir, dass Gott seine Leute manchmal gerade dadurch führt, dass er einige Türen zuschließt. Dadurch verhindert Gott, dass sie in die falsche Richtung gehen. Was tat Paulus? Zog er sich zurück? Nein, er ging durch den Glauben weiter und suchte die Tür, die Gott geöffnet hatte, um durch sie hindurchzugehen. Und so kam er nach Troas. Denn in der Nacht zuvor hatte Paulus von Gott eine Vision von einem Mann gesehen. Dieser Mann flehte ihn an: „Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“ Lesen wir Vers 9: „Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“ Durch diese Vision bekam Paulus und sein Missionsreiseteam eine klare Orientierung. Sie machten sich sofort fertig, gingen noch mitten in die Nacht zum Hafen hinunter und nahmen das erstbeste Schiff mit Kurs auf Mazedonien.

Hier lernen wir, dass wenn wir der Weltevangelisation dienen wollen, wir der Führung des Heiligen Geistes folgen sollen. Manchmal erscheinen uns bestimmte Missionsfelder gut geeignet zu sein. Gott aber will uns ganz woanders hinführen. Folglich schließt er die Türen dafür zu. Sobald dies geschieht, sollen wir dies akzeptieren. Es soll uns aber kein Grund sein, entmutigt zu sein, sondern wir sollen weiter danach suchen, die konkrete Führung Gottes zu finden. Wenn Gott uns dann eine Tür auftut, sollen wir die Gelegenheit ergreifen und hindurchgehen. Mutter Sarah Barry lebte einst in Mississippi und diente dort jungen Menschen mit dem Evangelium. In ihrem Herzen aber hatte sie schon Jesu Weltmissionsbefehl empfangen und so suchte sie nach einer Gelegenheit, ihm zu gehorchen. Sie wandte sich an ein Missionsbüro, um entweder nach China oder Korea gehen zu können. Da wurde sie dazu erwählt, nach Korea zu gehen. Mutter Sarah Barry nahm dies als Gottes Führung an und packte ihre Koffer. Gott führte sie gemäß seinem souveränen Willen und erfüllte durch sie seinen Plan, um Korea in ein Königreich von Priestern für die Weltmission zu verändern.

Rowland Bingham nahm als fünfzehnjähriger Teenager im Jahre 1887 Jesus als seinen persönlichen Retter an. Von da an versuchte er, Jesus mit aufrichtiger Haltung zu gehorchen. Mit der Hilfe Gottes überwand er seine Schüchternheit und bezeugte Gottes Gnade vor seiner Familie und seinen Freunden. In seiner Jugendzeit half er seiner armen Mutter, die als einzige Einnahmequelle einen kleinen Tabakladen besaß. Während er im Laden seiner Mutter an junge Leute Tabak verkaufte, gab er ihnen auch stets Gottes Wort mit auf den Weg. Dennoch hatte er Gewissensbisse, weil er schädlichen Tabak an junge Leute verkaufen musste. Als er darüber betete, wie er dieses Problem lösen könnte, öffnete sich ihm kurz danach eine Tür mit der Möglichkeit von England nach Kanada gehen zu können. Erneut ging er ins Gebet und wurde sich der Führung des Heiligen Geistes gewiss. Schließlich traf er eine Entscheidung und ging nach Kanada. Dort wurde er zuerst der Assistent eines bekannten Predigers. Eines sonntags nach dem Gottesdienst jedoch traf er eine gläubige Frau, deren Sohn als Missionar in den Sudan gehen wollte. Von ihr erfuhr er, dass es im Sudan 90 Millionen Menschen gab, von denen die allermeisten noch nie das Evangelium gehört hatten. Daraufhin forderte die Frau ihn auf, ihren Sohn bei seiner zukünftigen Mission zu begleiten, sofern Gott auch ihn dazu berufen würde. Rowland Bingham konnte die Worte der Frau nicht vergessen. Er hörte Gottes Ruf, dass er in den Sudan gehen sollte. Er zögerte nicht lange und machte sich sogleich daran, seine Reise zu planen. Es war der Beginn der Sudaninnenmission, durch die Gott trotz zahlreicher Schwierigkeiten in den nächsten fünf Jahrzehnten viele Länder Afrikas mit dem Evangelium erreichte.
Gott hat uns die Vision gegeben 1.700 Universitäten in Europa zu pionieren und darüber hinaus bis zum Jahr 2041 100.000 Missionare in alle Länder der Welt bis hin nach China, Nordkorea und die moslemischen Länder auszusenden. Wenn wir beten und nach Gottes Orientierung suchen, wird uns Gott Türen öffnen. Hören wir, wie die Nordkoreaner rufen? „Komm herüber nach Nordkorea und hilf uns!“ Hören wir die Muslime in Ägypten, in Kasachstan oder in Pakistan rufen? „Komm herüber und hilf uns!“ Laut Statistik gibt es in Deutschland 428 Hochschulen mit ca. 2,8 Millionen Studierenden. Hören wir, wie sie rufen? „Komm nach Bremen, nach Berlin, nach Passau, nach Saarbrücken, …, komm und hilf uns!“ Wenn wir ihre Stimmen hören, dann sollten wir uns auf die Suche nach einem Weg machen und der Führung Gottes folgen.

2. Das Erschließungswerk in Philippi (16,10-40)

Betrachten wir die Verse 10-12. Paulus und sein Missionsreiseteam gehorchten der Erscheinung und machten sich auf den Weg nach Mazedonien. Zuerst kamen sie nach Troas, dann nach Samothrake, nach Neapolis, und schließlich gingen sie landeinwärts nach Philippi. Philippi war eine römische Kolonie, die nach Philippus, dem Vater Alexander des Großen benannt wurde. Man sagt, dass viele pensionierte römische Offiziere in Philippi lebten. Dort gab es noch nicht viele Juden und dementsprechend auch keine Synagoge. Am Sabbat ging Paulus daher mit den anderen zum Stadttor hinaus, in der Hoffnung, dort einen Ort des Gebets zu finden. Und tatsächlich fanden sie einen solchen Ort. Doch anscheinend gab es hier nur Frauen. Paulus hatte in seiner Vision jedoch einen Mann gesehen. Also hätte er nun mit den Schultern zucken und sich woandershin wenden können. Doch er war anders und begann mit den Frauen über das Evangelium zu sprechen. Einer der Zuhörerinnen war Lydia. Lesen wir Vers 14: „Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde.“ Lydia war eine wohlhabende Geschäftsfrau, die mit der Luxusware Purpur Handel trieb. Sie war aber auch eine gottesfürchtige Frau. Als sie die Botschaft des Paulus hörte, da öffnete der Herr ihr Herz. Sie konnte verstehen, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn auch für sie dahin gab, um sie von ihren Sünden zu retten. Sie konnte verstehen, dass der Tod und die Auferstehung Jesu der Weg zurück zu Gott und zu seinem Reich sind. Durch dieses kurze Zweierbibelstudium mit Paulus erkannte sie, dass Gott ihr Vergebung und ewiges Leben anbot, und sie nahm dieses Evangelium im Glauben dankbar an. Sie war eine Frau, die die Wahrheit liebte. Als sie Christus als ihren Herrn annahm, meinte sie es ehrlich und ließ sich und auch gleich ihr ganzes Haus taufen. Dann lud sie das Missionsreiseteam zu sich nach Hause ein. So entstand die erste Hausgemeinde in Philippi, die – wie wir aus dem Philipperbief wissen – fortan Paulus in seinem Dienst im Herrn, das Evangelium im ganzen Römischen Reich zu verbreiten, tatkräftig unterstützte. Hier lernen wir, wie wichtig ein einziges Zweierbibelstudium sein kann. Ein Besuch im Wohnheim mit dem Wort Gottes oder ein kurzes Zweierbibelstudium am Campus oder am Arbeitsplatz sieht oft sehr unbedeutend und unscheinbar aus. Aber es ist Gottes effektive Methode für die Weltmission. Wer hätte gedacht, dass Gott einer der Frauen draußen vor der Stadt das Herz auftun würde und dass durch sie eine so tatkräftige Gemeinde entstehen würde? Weil Paulus nicht berechnet hatte, sondern durch den Glauben diesem Krippenwerk diente, konnte dieses mächtige Werk Gottes geschehen. Eine Person ist in Gottes Augen sehr wichtig. Gott will auch uns als Pioniere wie Paulus gebrauchen, indem wir durch den Glauben dem Krippenwerk dienen und die Menschen, deren Herzen Gott schon vorbereitet hat, als Weltmissionsmitarbeiter aufstellen. Möge Gott unseren geistlichen Kampf mit dem Wort Gottes in diesem Wintersemester segnen und in Rheinbach, St. Augustin, Koblenz und an allen Fakultäten in Bonn je einen Abraham und eine Sarah des Glaubens und zwölf Jünger Jesu aufstellen.

Betrachten wir die Verse 16 und 17. Eines Tages nun, als sie wieder zum Gebet gingen, begegnete ihnen eine Magd mit einem Wahrsagegeist. Sie war besessen und konnte angeblich die Zukunft voraussagen. Ihre Vorgesetzten missbrauchten sie jedoch nur, um durch sie viel Geld zu verdienen. Die Magd musste unter der Besessenheit des bösen Geistes sehr gelitten haben. Sie schrie immerzu mit lauter Stimme: „Diese Menschen sind Knechte des allerhöchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen.“ Zuerst ignorierte Paulus sie. Vielleicht dachte er, dass wenn er sich mir ihrer Heilung beschäftigen würde, ihn dies zu sehr von der Verkündigung des Evangeliums ablenken könnte. Aber dann sah Paulus ihre innere Qual, fasste sich ein Herz und sprach zu dem bösen Geist: „Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, dass du von ihr ausfährst.“ Was geschah? Sogleich fuhr der böse Geist von ihr aus und sie wurde von ihrer Qual befreit. Sie musste sich sehr gefreut haben. Aber für ihre Herren war es ein großer materieller Verlust. Sie waren darüber so aufgebracht, dass sie an den römischen Stolz der Leute appellierten, um sie gegen Paulus und Silas aufzuhetzen. Schließlich wurden Paulus und Silas öffentlich mit Stöcken geschlagen und danach ins Gefängnis geworfen. Vers 24 sagt, dass der Aufseher sie in das innerste Gefängnis warf und ihre Füße in den Block legen ließ.

Wie reagierten Paulus und Silas? Lesen wir Vers 25: „Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie.“ Paulus und Silas waren keineswegs entmutigt. Sie bemitleideten sich weder selbst noch gegenseitig. Statt wegen der Ungerechtigkeit und Leiden in Verzweiflung und Resignation zu geraten, beteten sie zu Gott und fingen an, Gott mit Lobliedern laut zu preisen. Sie waren fröhlich und dankten Gott für das Werk, das er im Leben der Lydia und der befreiten Magd getan hatte. Trotz ihrer misslichen Lage wussten Paulus und Silas, dass Gott die Kontrolle über alle Dinge behielt und so veranstalteten sie in ihrer Gefängniszelle einen Dankgottesdienst. Darüber freute sich Gott so sehr, dass er mit einem Erdbeben reagierte, wodurch sich schließlich alle Gefängnistüren öffneten und die Fesseln von allen Gefangenen abfielen.

Es gibt einige, die immer große Dinge von Gott erwarten, aber sie selbst sind sehr schnell wegen kleiner Dinge entmutigt, z. B. weil die Hoffnungsträger nicht so schnell im Glauben wachsen, wie sie sich das vorgestellt haben oder diese immer wieder in die gleiche Sünde fallen oder weil es in ihrer Familie, in der Schule oder bei der Arbeit im Beruf Probleme gibt. Paulus und Silas waren wirklich in eine völlig hoffnungslose, ja ausweglose Lage geraten. Ganz plötzlich fanden sie sich in einem dunklen, kalten römischen Gefängnis wieder und lagen, mit Schmerzen von den Stockschlägen, gefesselt im Block. Sie hätten allen Grund gehabt, zu jammern und zu klagen, aber stattdessen dankten und lobten sie Gott. Da erfuhren sie Gottes Eingreifen. Nach dem Erdbeben hätte ein jeder diese Gelegenheit sofort zur Flucht nutzen können. Aber Paulus und Silas taten dies nicht, sondern blieben im Gefängnis. Der Aufseher, der durch einen römischen Eid gebunden war, musste für jeden Gefangenen, der während seines Dienstes flüchtete und entkam, mit seinem Leben gerade stehen. Als er die offenen Türen sah, zog er sogleich sein Schwert und wollte sich umbringen. Aber Paulus rief laut: „Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier!“ Als sich Paulus die Gelegenheit bot, sich selbst zu retten, rettete er sich nicht selbst, sondern rettete den Gefängniswärter. Dieser fiel Paulus und Silas zitternd zu Füßen und fragte: „Liebe Herren, was muss ich tun, damit ich gerettet werde?“ Und Sie antworteten: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“ Der Aufseher und sein ganzes Haus kamen zum Glauben an Jesus. Sie ließen sich taufen und hatten große Freude und Gemeinschaft im Herrn. Was für ein mächtiges Werk Gottes war geschehen!

Hier lernen wir, dass Gott auch in den dunkelsten Stunden seinen Leuten zur Seite steht, solange sie nicht den Mut verlieren, in ihm allezeit fröhlich sind und im Gebet von ihm abhängig leben. Wenn wir Gott auf solche Weise gefallen, kann er jegliche Situation für seine eigene Herrlichkeit und sogar für die Rettung der verlorenen Seelen nutzen. Paulus schrieb in 1.Thessa-lonicher 5,16-18: Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ In der Zeit des Leidens und der Bedrängnis sollten wir allezeit fröhlich sein und im Gebet zu Gott kommen.

Betrachten wir noch den Vers 35. Am nächsten Tag ordneten die Stadtrichter an, dass man Paulus und Silas freilassen sollte. Die beiden hätten dies einfach akzeptieren und stillschweigend verschwinden können. Aber Paulus protestierte und brachte es zur Sprache, dass man römischer Bürger sei und man ungerecht behandelt worden sei. Und dann forderte er sie sogar auf, dass man sie aus der Stadt heraus eskortieren sollte. Da bekamen die Stadtrichter Furcht und bemühten sich, Paulus und Silas zu beruhigen. Paulus tat dies alles nicht um seiner selbst willen, sondern er tat es, um die noch junge Gemeinde in Philippi zu schützen. In Zukunft würden sich die Stadtrichter zweimal überlegen, ob sie ein Gemeindemitglied auf solche Weise misshandeln würden.

Heute haben wir gelernt, dass Gott die Weltmission souverän nach seinem eigenen Plan lenkt. Er führt seine Leute durch den Heiligen Geist, um seinen Plan zu verwirklichen. Wir müssen Gott ernsthaft suchen und durch die Türen gehen, die er uns öffnet. Wir lernten auch, dass Gottes große Vision durch eine Person real wird. In Philippi kamen eine Magd sowie Lydia und ein Gefängnisaufseher und deren Familien zum Glauben an Jesus. Mit einer Person die Bibel zu studieren, ist in Gottes Augen sehr kostbar. Möge Gott uns helfen, in jeder Lage, selbst in Bedrängnis und Leiden dem Krippenwerk Gottes zu dienen, indem wir allezeit zu ihm beten, ihm danken und Gottes Wort anderen weitergeben, auf dass wir Gottes mächtiges Wirken erfahren, wie er ein großes geistliches Heer von zehntausend Bibellehrern und fünf Millionen Gebetsmitarbeitern aufstellt.

Die erste Missionsreise des Paulus

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DIE ERSTE MISSIONSREISE DES PAULUS

Apostelgeschichte 14,1 – 28
Leitvers 14,22

„… stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben, und sagten: Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen.“

Dank sei dem Herrn, dass er uns in diesem Jahr das Studium der Apostelgeschichte erlaubt, wodurch wir Gottes Willen für die Weltmission aufnehmen und unsere Berufung als Licht für die Heiden erneuern dürfen. Wir danken Gott, dass er uns in der vergangenen Woche die Bedeutung der Gnade gelehrt hat, dass wir nicht durch unsere Werke oder Einhaltung von Gesetzen gerecht werden, sondern alleine durch die Gnade Jesu, der sein heiliges Blut für unsere Sünden am Kreuz vergossen hat. Lasst uns unser neues Leben auf die Gnade Jesu aufbauen und diese Gnade im neuen Wintersemester den Studenten von ganzem Herzen verkündigen.

Heute möchten wir noch einmal das 14. Kapitel betrachten. Paulus und Barnabas predigten während ihrer ersten Missionsreise das Evangelium in verschiedenen Städten Kleinasiens. Dabei erfuhren sie viele Widerstände und Verfolgungen, die aber ihren unbändigen Geist nicht stoppen konnten. Sie machten trotz der Verfolgung keinen Rückzieher, sondern erfüllten Gottes Mission mit dem Auferstehungsglauben. Schließlich bezeugte Paulus, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen müssen. Heute lernen wir, dass Leiden und Bedrängnisse ein unverzichtbarer Teil des Glaubenslebens sind. Viele Menschen erwarten, wenn sie zum Glauben kommen, dass sie bessere Bedingungen oder menschlichen Erfolg erfahren würden. Aber in der Tat gleicht das Glaubensleben einem harten geistlichen Kampf. Lasst uns mit Freude an den Bedrängnissen um des Evangeliums willen teilnehmen, indem wir das Gebetsgefäß an jeder Fakultät bilden und die Hoffnungsträger durch das Zweierbibelstudium weiden. Lasst uns nicht berechnen oder zurückziehen, sondern inmitten der Bedrängnisse als Hirten und Bibellehrer für die geistliche Wiedererweckung in Europa und darüber hinaus für die Weltmission gebraucht werden.

1. Die Apostel lehrten frei und offen im Vertrauen auf den Herrn (1-18)

Sehen wir uns Vers 1 an: „Es geschah aber in Ikonion, dass sie wieder in die Synagoge der Juden gingen und so predigten, dass eine große Menge Juden und Griechen gläubig wurden.“ Nachdem sie aus Antiochia vertrieben worden waren, kamen Barnabas und Paulus in die Stadt Ikonion, dem heutigen Konya. Dort gingen sie in die Synagoge der Juden und predigten das Wort Gottes. Nach der starken Verfolgung in Antiochia versuchten sie nicht, sich zurückzuziehen oder ihre Strategie zu ändern, sondern gingen wieder mutig in die Synagoge und predigten. Eine große Menge Juden und Griechen kamen dadurch zum Glauben an Jesus. Doch auch hier erfuhren die Apostel wieder einen starken Gegenwind durch einige Juden, die im Unglauben verharrten, und dann Unruhe stifteten und auch die Heiden gegen sie aufhetzten. Paulus und Barnabas waren aber nicht von der Situation abhängig oder furchtsam, sondern predigten im Vertrauen auf den Herrn das Wort frei und offen. Lesen wir den Vers 3: „Dennoch blieben sie eine lange Zeit dort und lehrten frei und offen im Vertrauen auf den Herrn, der das Wort seiner Gnade bezeugte und ließ Zeichen und Wunder geschehen durch ihre Hände.“ Sie gaben nicht auf, sondern predigten im Vertrauen auf Gott und erfuhren, dass Gott mit ihnen war.

Wenn Gottes Wort klar gepredigt wird, gibt es nur zwei Reaktionen: dafür oder dagegen. In solch einer Umgebung dürfen wir im Vertrauen auf den Herrn leben. An der Uni erfahren wir positive und negative Reaktionen. Manchmal werden die Feinde des Evangeliums sogar bösartig und fangen an, uns zu bedrohen. In den Medien sehen wir uns einer mehr und mehr antichristlichen Stimmung gegenüber. Aber egal, wie die aktuelle Stimmung sein mag, sollen wir das Wort Gottes im Vertrauen auf den Herrn klar verkündigen. Hirte Jochen predigt am Rhein-Sieg-Campus das Wort Gottes frei und offen im Vertrauen auf den Herrn, egal, ob viele Hoffnungsträger kommen oder ihnen sogar der Gebetsraum verwehrt wird. Hirte Warmherz betet für die Veränderung des Juridicums zu einem Gebetshaus für die Weltmission im Vertrauen auf den Herrn. Dort, wo wir im Vertrauen auf den Herrn dem Evangeliumswerk dienen, bezeugt Gott selbst die Wahrheit seines

Von Paulus und Barnabas lernen wir, dass sie im Vertrauen auf den Herrn weitergezogen sind. Sie machten keine Pause, änderten auch nicht ihre Strategie, sondern vertrauten darauf, dass Gott weiter mit ihnen sein würde. In der Tat haben sie erfahren, dass Gott das Wort seiner Gnade bezeugte und sogar Wunder durch ihre Hände geschehen sind. Menschen kamen zum lebendigen Glauben und ihr Leben wurde verändert.

Sehen wir uns die Verse 4 bis 6 an: „Die Menge in der Stadt aber spaltete sich; die einen hielten’s mit den Juden und die andern mit den Aposteln. Als sich aber ein Sturm erhob bei den Heiden und Juden und ihren Oberen und sie sie misshandeln und steinigen wollten, merkten sie es und entflohen in die Städte Lykaoniens, nach Lystra und Derbe, und in deren Umgebung.“ Als die Lage in Ikonion eskalierte und man die Apostel töten wollte, flohen sie von dort. Insofern gehorchten sie der Anweisung Jesu an seine Jünger (Markus 10,23).

In der Stadt Lystra wiederum begegneten sie einem Mann, der von Geburt an gelähmt war. Er schien unterprivilegiert und nicht wichtig zu sein. Aber gerade dieser Mann hörte dem Wort Gottes durch die Apostel genau zu und nahm es im Glauben in sein Herz auf. Sehen wir uns die Verse 9 und 10 an: „Der hörte Paulus reden. Und als dieser ihn ansah und merkte, dass er glaubte, ihm könne geholfen werden, sprach er mit lauter Stimme: Stell dich aufrecht auf deine Füße! Und er sprang auf und ging umher.“ Als dieser Mann Gottes Wort annahm, half Paulus ihm aufzustehen und ein neues Leben zu beginnen. Paulus forderte ihn mit lauter Stimme auf, sodass er seine chronische Lähmung überwinden und durch den Glauben aufstehen konnte.

Wow, ein sein ganzes Leben lang gelähmter Behinderter, stand plötzlich auf und ging umher. Diese Begebenheit zeigt die Macht Gottes für die Heilung des Lebens eines Menschen. Unser Gott ist der allmächtige Schöpfergott, der alle Dinge tun kann. Bei ihm gibt es keine Unmöglichkeit. Wir dürfen auch durch den Glauben an Gott diese Macht herausfordern und den Hoffnungsträgern mit lauter Stimme sagen, dass sie ein neues Leben beginnen. Gottes Wort kann viele geistlich gelähmten jungen Menschen gesund machen, sodass sie für die Ehre Gottes fleißig laufen können.

Als Missionar Peter die geistlichen Anliegen von einigen Teenagern sah und wie sehr sie geistlich gelähmt waren, blieb er nicht hilflos. Einige dachten sehr negativ und schlugen vor, dass man ihnen Hausverbot erteilen sollte. Aber Missionar Peter forderte sie stattdessen im Glauben heraus, dass sie Gottes Hoffnung für ihr Leben annehmen und in Zukunft sogar als Weltmissionsleiter gebraucht werden können. Als sie diese Hoffnung im Glauben aufnahmen, forderte er sie mit lauter Stimme auf, aus ihrem alten Leben aufzustehen und die Lebensgemeinschaft im Zentrum zu beginnen. Es schien unmöglich zu sein, aber sie lernten, geistlich zu laufen und wurden zu nützlichen Leuten verändert, die nun sogar die praktische Verantwortung für das Werk Gottes in vielen Hinsichten mittragen. Ihr dienendes Leben widerspiegelt die Herrlichkeit Gottes.

Das neue Leben dieses von Mutterleib an gelähmten Mannes überwältigte die Menschen in Lystra. Sie waren so außer sich, dass sie dachten, die Götter wären zu ihnen herabgekommen. Leider hatten sie solch eine falsche Glaubensvorstellung entwickelt und waren gar nicht mehr in der Lage auf das zu hören, was Paulus und Barnabas ihnen sagten. Sie überhöhten die Apostel zu Göttern und wollten ihnen Opfer darbringen. Sie nannten Barnabas Zeus und Paulus Hermes. Vielleicht war Barnabas so eine respektable Person wie der griechische Göttervater Zeus. Paulus hingegen war kleiner und predigte eifrig, sodass sie ihn für den Götterboten Hermes hielten. Paulus und Barnabas hätten versuchen können diese Lage irgendwie trickreich für sich selbst auszunutzen. Aber sie erkannten die große geistliche Gefahr, in der die Leute sich befanden. Als sie merkten, dass die Menschen nicht Gott die Ehre gaben, sprangen sie unter das Volk und schrien, dass sie aufhören sollten. Lesen wir Vers 15: „Ihr Männer, was macht ihr da? Wir sind auch sterbliche Menschen wie ihr und predigen euch das Evangelium, dass ihr euch bekehren sollt von diesen falschen Göttern zu dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat.“ Sie wandten sich entschieden gegen ihren Götzendienst und forderten sie zur Buße auf. Sie sollten sich von den falschen Göttern zu dem lebendigen Gott bekehren. Sie lehrten sie die Genesis, dass Gott der Schöpfer und die Quelle allen Segens und die Quelle aller Freude ist. Sie sollten erkennen, wer Gott wirklich ist und ihn anbeten. Aber es hatte kaum Erfolg, weil ihre falsche Glaubensvorstellung schon so fixiert war.

In unserer Zeit sehen wir auch, dass sich die Menschen viele eigene Vorstellungen von Gott machen. Manche entwickeln eigene fixierte Vorstellungen, sodass sie das Wort Gottes gar nicht mehr richtig hören können. So wie die Menschen damals nur „Wunder“ hörten, so hören heute einige nur „Liebe“ oder nur „Erfolg“ und Erfüllung ihrer eigenen Wünsche. Wir nennen dies ein Wohlfühl-Evangelium, das den Wünschen der Menschen entspricht. Wir müssen lernen, Gottes Wort richtig zuzuhören, Gott als den lebendigen Gott kennenlernen und uns durch die Buße zu ihm bekehren. Gott gebrauche unser Zweierbibelstudium, dass die jungen Menschen wieder zu Gott umkehren und geistlich wiedererweckt werden, als eine Hirtennation für die Weltmission gebraucht werden können.

2. Die Stärkung der Jünger inmitten der Verfolgung (19-28)

Sehen wir uns Vers 19 an: „Es kamen aber von Antiochia und Ikonion Juden dorthin und überredeten das Volk und steinigten Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus und meinten, er wäre gestorben.“ Die Stimmung in Lystra änderte sich schlagartig, als einige der früheren Verfolger dorthin kamen und das Gerücht verbreiteten, dass Paulus ein Betrüger wäre. Die Leute, die sie gerade noch vergöttert hatten, änderten ihre Meinung und steinigten Paulus und schleiften ihn aus der Stadt heraus, weil sie dachten, dass er tot sei. Diese Begebenheit zeigt, dass wir nicht auf eine gute Stimmung vertrauen sollen, die sich sehr schnell ändern kann.

Sehen wir uns Vers 20a an: „Als ihn aber die Jünger umringten, stand er auf und ging in die Stadt.“ Es musste ein Schock für die jungen Christen gewesen sein, als Paulus wie tot dalag. Aber Gott beschützte Paulus. Wahrscheinlich war er nur ohnmächtig geworden, sodass er wieder aufstand. Paulus hatte unbändigen Pioniergeist und Auferstehungsglauben. Er ging geradewegs in die Stadt zurück, wo man ihn zuvor gesteinigt hatte. Er war wie ein Stehaufmännchen.

Am nächsten Tag zog er mit Barnabas weiter nach Derbe und pionierte auch diese Stadt. Lukas berichtet nicht viele Details über dieses Pionierungswerk. Stattdessen berichtet er uns über das Wirken Gottes auf dem Rückweg nach Antiochia. Paulus und Barnabas besuchten noch einmal alle Städte, in denen sie so viel Verfolgung erfahren hatten, um die dortigen Jünger zu ermutigen und jeweils Älteste unter ihnen aufzustellen.

Sehen wir uns Vers 22 an: „…stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben, und sagten: Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen.“ Dies war Paulus Glaubenszeugnis am Ende der ersten Missionsreise: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen.“ Paulus versprach den jungen Gläubigen keine verbesserten Bedingungen oder ein einfaches bequemes Leben. Vielmehr sagte er ihnen, dass sie als Christen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen müssen. Bedrängnisse sind ein gewöhnlicher und unverzichtbarer Bestandteil des Christenlebens. Jesus sagte: „Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, werden sie eures auch halten“ (Johannes 15,20). So wie Jesus verfolgt wurde, müssen wir auch Missverständnisse, Verfolgung und Schmerzen erleiden. Dies ist der Weg, wie das Reich Gottes ausgebreitet wird. Die Verfolgung ist somit ein Kennzeichen der echten Nachfolger Jesu.

Waren die Jünger nun enttäuscht oder verängstigt wegen der klaren Worte von Paulus? Nein, vielmehr wurden ihre Seelen gestärkt. Sie waren ermutigt und entschieden sich, die Bedrängnisse zu lieben und ihre Hoffnung auf das Reich Gottes zu setzen. Wegen der humanistischen Gesinnung denken viele Christen in Europa daran, wie sie die Bedingungen der anderen verbessern können. Für die humanitären Aktionen kann man in Deutschland jederzeit viel Geld einsammeln, aber eine Missionsarbeit wird oft kritisch betrachtet und für nicht wertvoll geachtet. Aber wir müssen wissen, dass die Verbesserung der Bedingungen keine wahre Hilfe ist. Die wahre Hilfe gibt es nur im Wort Gottes. Die wahre Hilfe ist es, die Menschen von den toten Götzen zu dem lebendigen Gott zu bekehren. Die wahre Hilfe ist es, die Jünger zu ermutigen, dass sie durch viele Bedrängnisse zu dem Reich Gottes gehen.

Ein junger Mann hatte nach dem Studium alle Möglichkeiten ein bequemes Leben zu führen und seine menschlichen Träume zu erfüllen. Aber er gehorchte der Berufung Gottes, indem er in ein muslimisches Land ging, um dort dem Jüngererziehungswerk zu dienen. Er ist immer fröhlich, dass er durch viele Bedrängnisse zu dem Reich Gottes gehen darf. Missionar Dr. John Jun könnte sich längst zur Ruhe setzen und seinen Ruhestand genießen. Aber trotz seines Alters unternimmt er viele anstrengende Reisen, um den Mitarbeitern in der ganzen Welt mit der CME-Mission zu dienen und sie für die Ausbreitung von Gottes Reich zu mobilisieren.

In Deutschland sind viele Christen sehr schweigsam. Sie vermeiden es, ihren Glauben zu bekennen. Es scheint, als ob sie mit der eigenen Errettung zufrieden sind, während sie die Bedrängnisse für die Ausbreitung des Reiches Gottes meiden. Obwohl wir uns mitten in einem geistlichen Kampf befinden, wollen sie nicht die Waffenrüstung Gottes anziehen und kämpfen, sondern bleiben als Zuschauer, die am Ende klatschen. Wir, die Christen, dürfen einander ermutigen, an den Bedrängnissen teilzunehmen. Ein junger Mann musste in der Schule ungewollt viele Bedrängnisse erfahren. Aber es wurde für ihn eine Gelegenheit, durch den Glauben zu leben und ein klares Zeugnis abzulegen, indem er als Jahrgangsstufenbester sein Abitur ablegte. Manchmal denken wir, dass es für die Kinder zu früh sei, ihren Glauben in der Schule zu bekennen. Wenn sie an Jesus glauben, können sie auch ihren Glauben bekennen. Weil Josua sich immer klar bekennt und die anderen einlädt, wird sein Glaube immer stärker, sodass er auch vor den Lehrern klar sein kann. Wir brauchen unsere Kinder nicht unnötig schützen, sondern dürfen sie ermutigen, dass sie ihren Glauben bekennen und durch viele Bedrängnisse zum Reich Gottes gehen.

Schließlich kehrten Paulus und Barnabas nach Antiochia zurück. Was war ihr Missionsbericht? Lesen wir Vers 27: „Als sie aber dort ankamen, versammelten sie die Gemeinde und verkündeten, wie viel Gott durch sie getan und wie er den Heiden die Tür des Glaubens aufgetan hätte.“ Sie berichteten nicht über die Schwierigkeiten oder Leiden, sondern davon, wie viel Gott durch sie getan hatte. Alle Bedrängnisse waren längst vergessen und die Freude über das mächtige Wirken Gottes und über die Bekehrung der Heiden erfüllte ihre Herzen.

Heute haben wir gelernt, dass Leiden und Bedrängnis unverzichtbar zum Glaubensleben dazugehört. Es ist der Weg zu dem Reich Gottes. Gott hat uns nicht dazu berufen, unsere Bedingungen zu verbessern und ein bisschen bequemer zu leben, sondern als Streiter Christi den guten geistlichen Kampf inmitten von Bedrängnissen zu kämpfen und so das Reich Gottes auszubreiten. Lasst uns in diesem neuen Wintersemester auch inmitten von Bedrängnissen als Streiter Christi leben und durch unser Bibelstudium die geistliche Wiedererweckung in Europa bewirken.

Die Apostelversammlung in Jerusalem

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DIE APOSTELVERSAMMLUNG IN JERUSALEM

Apostelgeschichte 15,1 – 35
Leitvers 15,28

„Denn es gefällt dem Heiligen Geist und uns, euch weiter keine Last aufzuerlegen als nur diese notwendigen Dinge.“

Durch die vergangene Sonderlektion aus Daniel 8 durften wir lernen, dass wir in der Endzeit leben, in der der Antichrist versucht, die Gläubigen zu verführen, dass wir aber die Anfechtung des Antichristen überwinden und zu den ewigen Siegern gehören dürfen, indem wir an einem Wort Gottes festhalten, zumindest an unserer persönlichen Verheißung und am gemeinsamen Leitwort.

Die Apostelversammlung in Jerusalem war ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Ausbreitung des Evangeliums bis an das Ende der Erde. Als einige in der Gemeinde die Gnade Gottes verrieten und etwas anderes lehrten, verteidigten die Apostel die Gnade des Herrn Jesus und lehrten die Gläubigen, ihr neues Leben mit geistlicher Disziplin und für die Mission Gottes zu führen.

Möge Gott uns helfen, die Gnade des Herrn Jesus zu erneuern und im Glaubensgehorsam gegenüber der Berufung Gottes aus Hesekiel 37,10 die Umgebung zu bereiten, in der Gott ein überaus großes Heer für die geistliche Wiedererweckung in Europa aufstellt.

1. Die Apostel verteidigen die Heidenmission (1-12)

Sehen wir uns Vers 1 an: „Und einige kamen herab von Judäa und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst nach der Ordnung des Mose, könnt ihr nicht selig werden.“ Das mächtige Wirken Gottes in Antiochia weckte das Interesse der Gläubigen in Jerusalem. Von dort kamen hervorragende Bibellehrer wie Barnabas, die die Gläubigen ermahnten und stärkten, mit festem Herzen an dem Herrn zu bleiben (11,23). Jetzt aber kamen auch einige, die etwas anderes lehrten. Sie sagten: „Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst nach der Ordnung des Mose, könnt ihr nicht selig werden.“ In Galater 2,4 nennt Paulus sie falsche Brüder, die sich eingedrängt und eingeschlichen hatten, um die Freiheit der Christen auszukundschaften und sie zu knechten. Ihr Ziel war es, nicht, die Gläubigen zu erbauen, sondern denjenigen, die durch Christus befreit worden waren, die Freiheit wieder wegzunehmen. Dazu stellten sie sogar die Seligkeit allein durch den Glauben an Jesus in Frage und forderten sie auf, sich beschneiden zu lassen.

Wie reagierten Paulus und Barnabas? Sie fingen einen heftigen Streit an. Die Bibel nennt es „einen nicht geringen Streit“ (2). Paulus und Barnabas fuhren sie an: „Was lehrt ihr da, warum verführt ihr die Brüder!“ Warum reagierten sie so heftig? In Galater 2,5 bezeugt Paulus: „Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen nicht, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.“ Es ging Paulus um die Wahrheit des Evangeliums. Die Beschneidung war nur das äußerliche Zeichen des Bundes, den Gott mit Abraham geschlossen hatte. Doch auch Abraham wurde nicht durch die Beschneidung gerecht, sondern vor der Beschneidung wurde ihm gesagt: „Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit“ (1.Mose 15,6). Die Gläubigen in Antiochia hatten ihr Glaubensleben im Glauben an Jesu Kreuzestod für ihre Sünde begonnen. Als Paulus und Barnabas nun erkannten, wie die Seelen der Jünger durch die Lehren der falschen Brüder verwirrt wurden, kämpften sie für das Seelenheil ihrer Bibelschüler. Sie riskierten dafür sogar die Harmonie in der Gemeinde und die Beziehung zu den Christen in Jerusalem. Vielleicht würden auch einige unter den Brüdern Anstoß nehmen. Doch sie durften keinen Kompromiss eingehen. Darum beharrten sie so vehement auf der Seligkeit allein durch den Glauben an Jesus.

Der Streit, der in Antiochia ausgebrochen war, hätte auf Antiochia beschränkt bleiben können. Gott aber hatte einen anderen Plan. Er wollte dies nutzen, um auch die Einheit zwischen der Gemeinde in Antiochia und der in Jerusalem zu stärken und damit die nächste Tür für die Heidenmission zu öffnen. Aufgrund der Diskussion entschied die Gemeinde, Paulus und Barnabas und einige andere nach Jerusalem zu senden, damit sie diese Frage mit den Aposteln und Ältesten dort besprachen. Auf dem Weg nach Jerusalem erzählten sie von Gottes Wirken. Lesen wir Vers 3: „Und sie wurden von der Gemeinde geleitet und zogen durch Phönizien und Samarien und erzählten von der Bekehrung der Heiden und machten damit allen Brüdern große Freude.“ Als sie nach Jerusalem kamen, wurden sie von den Aposteln und Ältesten herzlich aufgenommen und legten wiederum Zeugnis von Gottes Wirken unter den Heiden ab. Doch nicht alle freuten sich darüber. Einige von der Partei der Pharisäer standen auf und sagten: „Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten.“ Die Kritik kam von der Partei der Pharisäer. Eigentlich waren diese auch gläubig geworden. Doch ihre Worte zeigen, dass sie nicht von der Gnade regiert wurden. Sie kritisierten die Gläubigen aus den Heiden, statt sie anzunehmen und zu ermutigen. Sie sagten: „Man muss ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten!“ Ihre Forderung klang zunächst verständlich, aber in der Tat glich sie einem Todesurteil für den Glauben der Heidenchristen. Das ganze Gebäude der Einheit zwischen Juden- und Heidenchristen stand hier auf dem Spiel.

Wer konnte jetzt als Verteidiger auftreten? Paulus und Barnabas hatten schon gesprochen. Die Gegner aber bestanden auf ihrer Meinung. Ihre Meinung verursachte eine große Unruhe. Eine lange Zeit diskutierte die Versammlung hitzig hin und her. Dann aber stand Petrus auf. Vers 7 sagt: „Als man sich aber lange gestritten hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ihr wisst, dass Gott vor langer Zeit unter euch bestimmt hat, dass durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hörten und glaubten.“ Petrus erinnerte sie an die Gnade Gottes unter den Heiden, die er selber schon erfahren hatte. Durch Petrus hatten der Hauptmann Kornelius und seine Freunde das Wort des Herrn gehört, Gottes Gnade im Glauben angenommen und den Heiligen Geist empfangen. Niemand konnte dieses Wirken bestreiten. Lesen wir Vers 9: „Und er hat keinen Unterschied gemacht zwischen uns und ihnen, nachdem er ihre Herzen gereinigt hatte durch den Glauben.“ Petrus sagt hier, dass die Heiden dieselbe Gnade von Gott empfangen hatten wie auch er selbst. Die Errettung geschieht allein durch den Glauben. In seiner Liebe hat Gott Jesus als das perfekte Opferlamm für unsere Sünde gegeben und hat ihn für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut. Wer im Glauben diese Gnade annimmt, dass Jesus am Kreuz für seine Sünde gestorben ist, wird gerettet zum ewigen Leben in Jesus Christus. Vers 11: „Vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden, ebenso wie auch sie.“

Diese Gnade dürfen wir nicht billig machen. Der Sohn Gottes hat sein teures Blut dafür vergossen. Diese Gnade haben wir völlig unverdient empfangen. Paulus war ein Verfolger der Gemeinde gewesen. Petrus hatte seinen Herrn drei Mal verleugnet. Doch sie hatten die Gnade Gottes empfangen und waren von Gott als Apostel der Heiden und Fels der Gemeinde auserwählt. Sie warfen diese Gnade nicht weg, sondern erinnerten sich voller Dankbarkeit daran und standen für sie ein, als sie in Frage gestellt wurde.

Ich war ein Heuchler, der äußerlich freundlich tat, aber innerlich die Menschen unbarmherzig richtete. Doch ich empfing Gottes Gnade durch Römer 13,14: „Sondern zieht an den Herrn Jesus Christus“, und sogar wählte er mich aus, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten und ein überaus großes Heer Gottes für die geistliche Wiedererweckung in Europa aufzustellen.

Der Glaube an Jesus ist der einzige Weg zur Seligkeit. Wer diese Gnade leugnet, der müsste das ganze Gesetz absolut einhalten. Aber niemand kann das Gesetz einhalten. Wir können noch nicht einmal einem Gebot gehorchen. Darum tadelte Petrus diejenigen, die den Heiden vorschreiben wollten, das Gesetz des Mose zu halten: „Warum versucht ihr denn nun Gott dadurch, dass ihr ein Joch auf den Nacken der Jünger legt, das weder unsre Väter noch wir haben tragen können?“ Keiner unter denen, die das forderten, konnte das Gesetz halten. Statt die Heidenchristen zu kritisieren, sollten sie sie vielmehr im allein selig machenden Glauben ermutigen und Gott preisen.

Wie wirkte Gott durch die Worte des Petrus? Lesen wir Vers 12: „Da schwieg die ganze Menge still und hörte Paulus und Barnabas zu, die erzählten, wie große Zeichen und Wunder Gott durch sie getan hatte unter den Heiden.“ Die Diskussionen verstummten. Als sie gestritten hatten, war niemand bereit gewesen, Paulus und Barnabas zuzuhören. Jetzt schwiegen alle und hörten bereitwillig dem Zeugnis der Apostel vom Wirken Gottes unter den Heiden zu.

Das Evangelium von der Gnade Jesu hat die Macht, alle Zwietracht auszutreiben. Beim Streit ging es nicht um Sachargumente. Es ging nicht darum, wer recht hatte und wer nicht, sondern darum, dass einige der Gnade Gottes gehorsam waren und andere nicht. Ein Streit unter Christen wird darum auch nicht dadurch gelöst, dass Kompromisse geschlossen werden, sondern dadurch, dass das Evangelium gepredigt wird. Petrus‘ Predigt richtete wieder die Herrschaft der Gnade unter den Glaubensgeschwistern auf und stellte die Einheit wieder her. Keiner sagte mehr: „Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz zu halten.“ Alle sagten nun: „Preis sei Jesus Christus für seine Gnade und für sein Wirken unter den Heiden!“

Als die Heidenmission durch die Gesetzlichkeit der falschen Brüder angefochten wurde und Zweitracht und Unruhe entstand, stellte Gott Paulus, Barnabas und Petrus als mutige Verteidiger der Gnade Jesu auf. Durch sie stellte Gott die Einheit wieder her und ermutigte die Heidenchristen auf ihrem Weg des Glaubensgehorsams. Jede Zeit braucht solche Verteidiger der Wahrheit des Evangeliums, weil das Werk der Gnade zu jeder Zeit angegriffen wird. Möge Gott unter uns solche Verteidiger der Wahrheit des Evangeliums aufstellen, sodass sich das Evangelium an den 1.700 Hochschulen in Europa und bis in die muslimischen Länder ausbreiten kann.

2. Die Beschlüsse der Apostelversammlung (13-35)

Paulus und Barnabas legten erneut Zeugnis ab von den großen Zeichen und Wundern, die Gott durch sie getan hatte unter den Heiden. Ihr Zeugnis war bewegend und beeindruckend. Der Wille Gottes für die Weltmission wurde deutlich sichtbar. Dennoch war es wichtig, dass nun einer von den Judenchristen das Wort ergriff und die Apostelversammlung konkret dahin leitete, die Heiden in ihrem Glaubensleben zu unterstützen. Diese Rolle übernahm Jakobus, einer der Brüder Jesu und Leiter der Gemeinde in Jerusalem. Er bezog sich auf Petrus‘ Rede und zitierte dann aus der Schrift. Lesen wir die Verse 15-18: „Und dazu stimmen die Worte der Propheten, wie geschrieben steht: Danach will ich mich wieder zu ihnen wenden und will die zerfallene Hütte Davids wieder bauen, und ihre Trümmer will ich wieder aufbauen und will sie aufrichten, damit die Menschen, die übrig geblieben sind, nach dem Herrn fragen, dazu alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der Herr, der tut, was von alters her bekannt ist.“ Jakobus ging gar nicht mehr auf die Frage ein, ob und wie die Heiden selig werden. Diese Frage war geklärt. Er sprach vielmehr zu den Israeliten. Wenn Gott keinen Unterschied macht, hatte Gott sein Volk dann verworfen? Die Antwort aus der Schrift lautet klar: Nein. Jedoch sollten die Juden nicht in ihrer Verstocktheit bleiben, sondern den Heiden nacheifern. Die Heiden taten Buße und gehorchten durch den Glauben den Geboten Gottes und gefielen Gott. Ihr Glaubensgehorsam war viel näher am Willen Gottes als jede Form der Gesetzlichkeit.

Im nächsten Jahr begehen die Christen nicht nur in Deutschland das Reformationsjubiläum, den 500. Jahrestag der Veröffentlichung der 95 Thesen durch Martin Luther. Wenn wir aber auf das Christentum in unserem Land schauen, finden wir wenig Eifer für die Wahrheit des Evangeliums und für die Weltmission. Die jungen Menschen sagen: „ich bin katholisch“ oder „ich bin evangelisch“ oder fragen: „Welcher Organisation gehörst du an?“ Aber preis sei Gott, der auch in unserer Zeit so mächtig wirkt.

Zum einen dürfen wir dem Glauben zahlreicher Glaubensvorbilder nacheifern. Wir sehen bei zahlreichen Christen aus anderen Kulturkreisen, auch unter den Migranten und sogar in den Ländern, in denen sie verfolgt werden, wie sie voller Eifer für Jesus und das Evangelium sind und mit großer Freude dem Weltmissionsbefehl Jesu gehorchen. Es wäre lächerlich, sie in das Schema „katholisch/evangelisch“ einzuordnen oder sie zu fragen, welcher Organisation sie angehören. Vielmehr sollen wir ihrem Glauben nacheifern.

Zum anderen dürfen wir durch die Gnade Gottes selber solche Glaubensvorbilder sein. Die ersten Missionare der UBF waren arme Studenten im zerstörten Nachkriegskorea. Sie hatten kaum eine Möglichkeit, in die Industrieländer zu gehen und dort für Jesus zu arbeiten. Doch durch den Glaubensgehorsam taten sie es. Gemäß der Gnade Jesu, die sie empfangen haben, setzten sie ihr Herz und ihr Leben dafür ein, den Gehorsam des Glaubens unter jungen Menschen in Europa aufzurichten. Gott freute sich über sie und über jeden, der durch sie das Evangelium im Glauben annahm und eine Lebensentscheidung für die Nachfolge Jesu traf. Missionar James Point war ein fähiger Physik-Absolvent in der Ukraine, der gerade geheiratet und ein schönes Haus erworben hatte. Doch dann hörte er den Ruf Gottes für die Mission. Er erkundigte sich über die Türkei und nahm das Gebetsanliegen auf, dass der Name Jesu über alle anderen Namen in der Türkei erhöht werden möge. Er ging mit seiner jungen Familie durch den Glauben nach Istanbul und bildet dort seit zehn Jahren die Bibelstudiumgemeinschaft mit den Studenten als eine Speerspitze für die Moslemmission. So wie er haben viele Mitarbeiter auf Karriere und Sicherheit in der Welt verzichtet und dienen der Jüngererziehung durch das Zweierbibelstudium durch den selig machenden Glauben. Sogar haben sich einige unserer Jugendlichen und Kinder entschieden, wegen der Gnade Gottes in ihrer Generation der Weltmission zu dienen. Wir dürfen glauben, dass Gott durch solchen seligmachenden Glauben die zerfallene Hütte Europas wieder herstellt und Europa noch einmal als Missionare aussendenden Kontinent gebraucht.

Sehen wir uns die Verse 19-21 an. Jakobus‘ Schlussfolgerung war, dass man denen aus den Heiden keine Unruhe machen solle. Sie sollten sich nur enthalten vom Götzenopfer, von Unzucht, vom Erstickten und von Blut. Die Apostelversammlung folgte seinem Vorschlag. Sie beschlossen, bewährte Männer mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden und einen Ermutigungsbrief zu überbringen. Lesen wir die Verse 28-29: „Denn es gefällt dem Heiligen Geist und uns, euch weiter keine Last aufzuerlegen als nur diese notwendigen Dinge: dass ihr euch enthaltet vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, tut ihr recht. Lebt wohl!“ Die Apostel und Ältesten in Jerusalem unterstützten die Heidenmission vor allem in zweierlei Hinsicht.

Erstens legten sie ihnen weiter keine Last auf, d.h. sie erkannten ihren Glauben an, der allein auf der Gnade Gottes in Jesus Christus beruht.

Zweitens gaben sie ihnen als notwendige geistliche Disziplin auf, sich von Götzenopfer, Unzucht, Blut und Ersticktem zu enthalten. Götzenopfer bezieht sich auf die Anbetung, Unzucht auf die Heiligkeit des Leibes und Blut und Ersticktes auf die Ehrfurcht vor dem Leben. Wir dürfen die Freiheit in Christus nicht missverstehen. Die Freiheit, die wir durch die Gnade Gottes empfangen, ist keine Freiheit, alles das zu tun, was wir wollen. Es ist vielmehr eine Freiheit, die uns zur völligen Abhängigkeit von Jesus führt. Unser neues Leben in Christus ist ein Leben des Glaubensgehorsams gegenüber seinen Geboten. Die teure Gnade im Blut Jesu bedeutet für uns ein Leben der Mission mit völliger Hingabe.

Als die Heiden diesen Brief lasen, wurden sie froh über den Zuspruch. Judas und Silas waren selbst ermutigt und ermahnten und stärkten die Jünger in Antiochia. Paulus und Barnabas fuhren fort, mit vielen anderen das Wort des Herrn zu lehren und zu predigen. Aus einem Streit, der die Gemeinde zu zerreißen drohte, machte der souveräne Herr eine Stärkung für die Weltmission. Das Werk des Bibelstudiums und der Jüngererziehung und der Weltmission ging mit neuem Eifer voran. Durch die Gnade des Herrn Jesu war der nächste Schritt getan, das Evangelium bis an das Ende der Erde zu bringen.

Heute lernen wir, die kostbare Gnade unseres Herrn Jesus nicht zu verwerfen. Dort, wo sie in Frage gestellt wird, müssen wir sie verteidigen. Wir lernen auch, unser neues Leben, das wir durch die Gnade empfangen haben, durch den Glaubensgehorsam zu führen. Möge Gott unseren Glaubensgehorsam gegenüber Hesekiel 37,10 im Wintersemester segnen und 10.000 Bibellehrer und fünf Millionen Gebetsmitarbeiter als ein überaus großes Heer für die Weltmission aufstellen.

Der Menschensohn

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DER MENSCHENSOHN

Daniel 7,1 – 28
Leitvers 7,13

„Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht.“

Wir danken Gott, dass wir in der vergangenen Woche unseren 36. Jubiläumsgottesdienst feiern und uns an das mächtige Wirken Gottes erinnern durften. Durch das lebendige Wort Gottes aus Hesekiel 37 durften wir Gottes Macht kennenlernen, die sogar tote Knochen wieder lebendig macht, und die Vision bekommen, dass die geistlich toten Studenten in Europa durch das Wort Gottes wieder lebendig werden und als ein überaus großes Heer Gottes für die Weltmission aufgestellt werden. Lasst uns, wie Hesekiel und wie unsere Missionare, das Wort Gottes durch den Gehorsam des Glaubens weitergeben, sodass durch unser Zweierbibelstudium viele junge Menschen lebendig werden und als entschlossene Jünger Jesu aufgestellt werden können.

Heute wollen wir eine weitere Sonderlektion aus dem Buch Daniel studieren. In den Kapiteln 1 bis 6 haben wir die Geschichte des Lebens von Daniel studiert, wie Gott in seinem Leben und in den Königen, denen er diente, gewirkt und sich als der allmächtige und souveräne Gott offenbart hat. Die Kapitel 7 bis 12 enthalten Visionen und Träume, die Daniel während dieser Zeit gehabt hat. Wir lernen dadurch Einsicht in das Wirken und in die Geschichte Gottes nicht nur der antiken Zeit, sondern sogar bis zur Wiederkunft Jesu. Lasst uns durch dieses Bibelstudium die Botschaft Gottes in unseren Herzen empfangen, dass wir die richtige Anschauung gegenüber den Mächten der Welt haben und mit der herrlichen Hoffnung auf das Kommen des Menschensohns und das ewige Reich Gottes leben.

1. Daniels Traum von den vier Tieren (1-8)

Sehen wir uns Vers 1 an: „Im ersten Jahr Belsa-zars, des Königs von Babel, hatte Daniel einen Traum und Gesichte auf seinem Bett; und er schrieb den Traum auf und dies ist sein Inhalt.“ Den ersten Traum hatte Daniel im 1. Jahr des Königs Belsazar, also etwa 553 v. Chr., inmitten der Zeit der babylonischen Herrschaft. Sein Traum betraf, ähnlich wie der Traum Nebukadnezars in Kapitel 2, die zukünftige Geschichte von vier Weltmächten und von dem finalen Sieg Gottes.

Sehen wir uns die Vers 2 und 3 an: „Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel wühlten das große Meer auf. Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, ein jedes anders als das andere.“ In seinem Traum sah Daniel vier große Tiere aus dem Meer heraufsteigen, die alle unterschiedlich aussahen, eines gefährlicher und grausamer als das andere: Ein Löwe mit Adlerflügeln, ein Bär mit drei Rippen im Maul, ein Panter mit Vogelflügeln und vier Köpfen und schließlich eine unbeschreibliche Bestie mit eisernen Zähnen und zehn Hörnern. Wie wir in Vers 17 erfahren, bedeuten diese vier Tiere, die aus dem tiefen Meer heraufgestiegen sind, vier Königreiche. Wie schon in Daniel 2 werden diese mit den vier aufeinanderfolgenden Weltmächten Babylon, Persien, Griechenland und Rom identifiziert.

Das erste Tier war ein Löwe mit Adlerflügeln. Doch diese Flügel wurden ihm weggenommen und er bekam ein menschliches Herz. Der Löwe mit Adlerflügeln wurde oft als ein Symbol für Babylon gebraucht. Der Löwe als König der Tiere ist ein Symbol für Kraft und Macht und der Adler für Überlegenheit und Schnelligkeit. Vielleicht deuten die ausgerissenen Flügel darauf hin, dass das Reich nicht lange bestehen konnte. Dennoch blieb Babylon das Symbol für das Streben nach Größe und menschlicher Herrschaft, wie Nebukadnezar in Kapitel 2 als das goldene Haupt bezeichnet wurde. Obwohl er anfangs Gottes Gerichtsinstrument war und Gottes Ermahnung bekam, konnte er seine Aufgabe nicht gut erfüllen. Gott möchte, dass die Herrscher der Welt wie Menschen sind, nicht wie grausame Tiere. Er möchte, dass sie Hirten für die Menschen sind und keine hochmütigen Mörder und Sklaventreiber.

Das zweite Tier in diesem Traum war ein Bär, welcher drei Rippen in seinem Maul trug, so als ob er gerade eine fette Beute verspeist hätte. Der Bär gilt im Allgemeinen als sehr träge, aber auch sehr stark. Er repräsentiert hier das Reich der Perser und Meder. Die drei Rippen könnten zu den Ländern Syrien, Ägypten und Libyen gehören, die von ihnen vernichtet und geschlagen wurden. Die Perser hatten eine gewaltige Militärmaschinerie aufgebaut, die sehr träge war, aber wenn sie einmal ins Rollen kam, alles platt machte, was sich ihr in den Weg stellte. Die Aufforderung: „Steh auf und friss viel Fleisch!“ könnte auf ihre zahlreichen Eroberungen gemünzt sein.

Das dritte Tier war ein Panther, der vier Vogelflügel auf seinem Rücken trug und vier Köpfe besaß. Ein Panther ist die schwarze Version des Leoparden, eines besonders geschickten Räubers, der auch auf Bäume klettert. Das Königreich Griechenland begann mit Alexander dem Großen, der in nur wenigen Jahren das ganze Persische Reich eroberte. Sein Aufkommen war ebenso schnell wie unerwartet, so wie ein Panther, der plötzlich aus dem Versteck auf die Beute springt. Alexander der Große ist als der Größte Eroberer in die Geschichte eingegangen. Aber von Gottes Gesichtspunkt betrachtet war er nur ein elender Mensch, der wegen seines verdorbenen Lebensstils und exzessiven Trinkgelagen früh sterben musste. Die vier Köpfe des Tieres könnten für die Diadochen stehen, die nach Alexanders Tod das Reich unter sich aufteilten und in einer endlosen Folge von Kriegen gegeneinander kämpften.

Das vierte Tier war dem Aussehen nach keinem bekannten Tier ähnlich und unterschied sich auch sonst, indem es eiserne Zähne und ehernen Klauen hatte. Auf seinem Kopf trug es 10 Hörner und es war von einer besonders wilden Brutalität und Rohheit gekennzeichnet. Diese Bestie fraß um sich und zermalmte und danach zertrat sie alles, was übrig war, mit ihren Füßen. Normalerweise wird sie mit dem Römischen Reich identifiziert. Die römische Militärmacht beherrschte in ihrer Blüte das gesamte Mittelmeergebiet von Ägypten bis nach Britannien. Seine Grausamkeit wird bei der Hinrichtung Jesu durch den Römischen Statthalter Pontius Pilatus sehr deutlich. Doch im Laufe der Jahrhunderte zerfiel auch dieses Reich, wegen dem verdorbenen Lebensstil der Römer. Sie interessierten sich nur für Gladiatorenkämpfe und führten ein unmoralisches Leben, anstatt in der Schule fleißig zu lernen. Im Ergebnis haben sie kaum etwas zur Wissenschaft oder Philosophie der Welt beigetragen, sondern nur unzählige Leben der Menschen zerstört. Später haben verschiedene Reiche versucht, sich als die Erben des Römischen Reiches zu bezeichnen. Das Eisen könnte auch auf eine Technisierung hinweisen, wie wir sie heute mehr und mehr erfahren.

Sehen wir uns Vers 8 an: „Als ich aber auf die Hörner Acht gab, siehe, da brach ein anderes kleines Horn zwischen ihnen hervor, vor dem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden. Und siehe, das Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul; das redete große Dinge.“ Während die zehn Hörner die Könige der Welt repräsentieren, kam ein anderes Horn hervor, welches ganz anders war. Es hatte nämlich Augen wie ein Mensch und ein Maul, das große Lästerungen redet. In der Bibel wird derjenige, der Gott lästert, Antichrist genannt. Er ist von unsagbarem Hochmut erfüllt, sodass er sich über Gott erhebt und Zeiten und Gesetze ändert, wie er will. Er setzt sich selber an die Stelle Gottes. Sehen wir uns Vers 25 an: „Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten vernichten und wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetze zu ändern. Sie werden in seine Hand gegeben werden eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit.“ In der Geschichte gab es immer wieder Personen, die sich selbst über Gott erhoben haben. Einige hielten Napoleon für den Antichristen, andere Hitler und wieder andere das Papsttum. Heute erfahren wir viele antichristliche Strömungen und Lehren, die Gottes Ordnungen und Gebote ändern und auflösen wollen. Der Genderismus ist eine Lehre, die die von Gott geschaffene Polarität zwischen Mann und Frau in Frage stellt und stattdessen eine menschliche Meinung propagiert, die das Gefühl oder die Vorstellung eines Menschen als absolute Wahrheit darstellt. Sie zerstören Gottes gute Ordnung und wollen den Menschen gemäß ihrer eigenen Agenda neu erschaffen. Aber diese Erschaffung eines neuen Menschen hat schon im Kommunismus nicht funktioniert und nur eine Generation hervorgebracht, die sich schweigend einem unmenschlichen System unterwarf. In gleicher Weise muss auch der Genderismus im Gefühlschaos und in Orientierungslosigkeit enden.

Wenn wir uns mit der Geschichte der Weltreiche und ihren großen Königen beschäftigen, dann betrachten wir sie oft als Helden. Nicht wenige Menschen wünschen sich, so groß und wichtig zu sein wie sie. Wir sehen, dass einige machthungrige Herrscher unserer Zeit versuchen, auf ähnliche Weise weltliche Größe zu erlangen und ihren Namen in die Geschichtsbücher zu schreiben. Aber wir müssen wissen, dass diese weltlichen Reiche in Gottes Augen nichts anderes als schreckliche Bestien sind, die das Leben der Menschen fressen. Darum sollen wir diese weltlichen Reiche nicht beneiden und nicht versuchen, ihre Anerkennung zu bekommen. Sie haben ihre Macht nur für eine bestimmte von Gott gegebene Zeit und werden spätestens bei Gottes Gericht untergehen. Wahre Größe hat derjenige, der sich selbst vor Gott demütigt, der Gottes Plan für sein Leben annimmt und in Gottes Erlösungsgeschichte gebraucht werden kann.

Diese vier Tiere verbreiten Furcht und Schrecken auf der ganzen Welt. Aber viel schlimmer als diese weltlichen Herrscher ist der Antichrist, weil er nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen Gott kämpft. Die schlimmsten Feinde sind nicht die weltlichen Herrscher, sondern die Antichristen, die sich selbst als Heilsbringer ausgeben.

2. Der Menschensohn (9-28)

Daniels Vision war an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Sehen wir uns den Vers 9 an: „Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden, und einer, der uralt war, setzte sich. Sein Kleid war weiß wie Schnee und das Haar auf seinem Haupt rein wie Wolle; Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder loderndes Feuer.“ Nun erscheint eine Person, die uralt war. Niemand ist älter als Gott, weil er schon vor Beginn der Schöpfung da war. Gottes Erscheinung ist voller Heiligkeit, Reinheit und Schönheit. Seine Heiligkeit offenbart sich in den leuchtend weißen Farben und ebenso in der reinigenden Kraft des Feuers. Während die Tiere bedrohlich und schrecklich waren, dass wir Angst bekommen haben, ist Gott voller Heiligkeit, Gerechtigkeit und Frieden.

Vers 10 sagt: „Und von ihm ging aus ein langer feuriger Strahl. Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht wurde gehalten und die Bücher wurden aufgetan.“ Über 100 Millionen Menschen waren beim Gericht Gottes versammelt. Die Bücher sind hier die Bücher des Gerichts, in denen die Taten der Menschen verzeichnet sind. Gott richtet gemäß seinem Wort, das in der Bibel offenbart ist. Dann werden alle zum Leben eingehen, deren Name in dem Buch des Lebens geschrieben steht. Ist dein Name im Buch des Lebens geschrieben?

Vor Gottes Gericht müssen alle diese schrecklichen Tiere verstummen, weil ihre Zeit und Stunde gekommen ist. Auch das Horn, das so viele große und lästerliche Reden geschwungen hatte, der Antichrist, muss vor dem Thron Gottes verstummen und wird getötet und ins Feuer geworfen. Gottes Gericht ist schrecklich für diejenigen, die gegen Gott rebellieren. Aber es ist die wahre Hoffnung für die Heiligen des Höchsten, die unter den weltlichen Herrschern viel gelitten haben, weil Gott ihnen an diesem Tag ihr Recht verschaffen wird.

Sehen wir uns Vers 13 an: „Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht.“ Hier erfahren wir, dass ein Menschensohn mit den Wolken des Himmels kommt und vor Gott erscheint und die Macht über das neue ewige und herrliche Reich Gottes empfängt. Viele Generationen von Gelehrten haben darüber gerätselt, wer dieser Menschensohn ist, der so herrlich in Gottes Reich eingesetzt wird. Wie sehr mussten die Juden sich gerade in der Gefangenschaft nach diesem Menschensohn gesehnt haben. Jesus selbst identifizierte sich mit dem Menschensohn wiederholt in allen vier Evangelien. In Johannes 5,26.27 sagte er: „Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber; und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist.“ Eigentlich ist Jesus der Sohn Gottes. Aber er erniedrigte sich völlig und kam wie ein gewöhnlicher Mensch in die Welt, um uns zu erretten. Die Menschen waren hilflos vor der Macht der Sünde und können sich selber nicht retten. Aber Jesus nahm unsere Sünde auf seinen eigenen Leib und starb für uns stellvertretend am Kreuz. Gott weckte Jesus von den Toten auf und er fuhr mit den Wolken des Himmels und setzte sich zur Rechten Gottes, des Vaters. Er wird wiederkommen, wie er gesagt hat und für immer und ewig herrschen. Dieser Menschensohn ist die wahre Hoffnung aller Gläubigen.

Es ist sehr wichtig, welche Macht in unserem Leben herrscht, die weltliche Macht oder die Macht Jesu. Einige Studenten werden von der Sorge um das Geld oder um ihre Zukunft regiert. Einige können ihr Verlangen nach der Vergnügung nicht überwinden und bleiben davon beherrscht. Ein Leben unter der weltlichen Macht ist sehr elend.

Ein junger Mann war von der Macht der Karriere und der menschlichen Anerkennung beherrscht. Er kämpfte, um seine Karriere voranzutreiben. Aber durch Matthäus 6,33 durfte er seine Priorität erneuern, dass das Reich Gottes viel wichtiger ist, als ein kurzer weltlicher Ruhm, der nur in Sinnlosigkeit endet. Er durfte sich entscheiden, für das Werk Gottes zusammenzuarbeiten und nun betet er für die geistliche Wiedererweckung in unserer Generation, indem er als ein verantwortlicher geistlicher Leiter für die jungen Menschen arbeitet.

Wenn wir die Weltgeschichte betrachten, dann machen wir uns Sorgen wegen der zunehmenden Macht von einigen grausamen Mächten, wie etwa dem IS. Grausame und schreckliche Taten der Islamisten, Terroranschläge und brutale militärische Gewalt sprießen überall. Aber wir dürfen wissen, dass unser souveräner Gott alle Dinge in der Hand hat und dass das Ziel der Weltgeschichte in der herrlichen Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus besteht.

Diejenigen, die das Evangelium verkündigen und für die geistliche Wiedererweckung beten, befinden sich in dem Hauptstrom der Geschichte Gottes. Gott selbst wird am Ende das Gericht halten und das herrliche Reich Gottes aufrichten. Es ist ein großes Privileg, dass wir nicht von den weltlichen Mächten abhängig oder gedrängt leben, sondern für das herrliche Reich Gottes leben dürfen. Am Ende werden ihm „alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen.“ Gott gebraucht unser Zweierbibelstudium, um die Seelen der Menschen für dieses herrliche Reich Gottes zu gewinnen.

Sehen wir uns Vers 27 an: „Aber das Reich und die Macht und die Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden, dessen Reich ewig ist, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen.“ Das herrliche Reich Gottes ist die wahre Hoffnung der Gläubigen. Nicht die verschiedenen falschen Lehren und Weltanschauungen werden am Ende das Sagen haben, nicht das Geld und nicht die militärische Macht. Stattdessen wird das Reich und die Macht und die Gewalt „dem Volk der Heiligen des Höchsten“ gegeben werden. Wir werden mit Jesus zusammen in seinem ewigen Reich herrschen.

Vers 28 sagt: „Das war das Ende der Rede. Aber ich, Daniel, wurde sehr beunruhigt in meinen Gedanken und jede Farbe war aus meinem Antlitz gewichen; doch behielt ich die Rede in meinem Herzen.“ Daniel lebte damals im babylonischen Reich. Er hatte miterlebt, wie Nebukadnezar seine Heimatstadt Jerusalem zerstörte und die Bewohner deportierte. Es war für ihn beunruhigend, dass noch weitere Königreiche folgen sollten, die noch schlimmer und grausamer waren als die Babylonier. Auch wir müssen wissen, dass ein Leben als Volk Gottes von Leiden und Bedrängnissen gekennzeichnet ist. Christen wurden und werden immer wieder von den Mächten der Welt verfolgt. Vor allem ist die Macht des Antichristen nicht mit menschlichen Mitteln zu besiegen. Aber über allen Schrecken der Welt dürfen wir die Gewissheit auf den Sieg des Menschensohnes und das ewige Reich Gottes haben.

Heute haben wir gelernt, dass die weltlichen Mächte nicht zu beneiden sind, weil ihre Macht zwar sehr groß und grausam ist, sie aber nicht vor Gottes Gericht bestehen können. Stattdessen dürfen wir unsere Hoffnung auf den Menschensohn und auf das ewige Reich Gottes setzen. Lasst uns im Blick auf den Menschensohn das Zweierbibelstudium und die Jüngererziehung herausfordern, sodass Europa noch einmal erweckt und als eine Hirtennation in der ewigen Heilsgeschichte Gottes gebraucht werden darf.